5 JAHRE FARBANSCHLAG IM DEUTSCHEN PANZERMUSEUM  – DANKE, LIEBE AUTONOME! ❤

Im Februar 2008 kettete sich Hanna Poddig in Nordfriesland an Bahngleise, um gegen einen Bundeswehrtransport zu demonstrieren. Vom Gericht wurde sie deswegen zu einer Geldstraße verurteilt; Frau Poddig entschied sich jedoch stattdessen für eine Haftstrafe.  Diese Haftstrafe trat sie am 15. März 2012 an.

In der Nacht vom 15. auf den 16. März hielt irgendwann zwischen 01:00 und Sonnenaufgang ein älterer VW-Bus dem Deutschen Panzermuseum.  Ihm entstiegen mehrere Mitglieder der „Rosa Tank Gang“, einer (nach Selbstaussage) „autonomen Gruppe“. Vermutlich mithilfe einer Kübelspritze übergossen sie den auf dem Freigelände stehenden und damit öffentlich zugänglichen Panzer mit etlichen Litern rosa Farbe. Zudem wurden Farbbeutel über den Zaun in den Eingangsbereich geschleudert.

Farbkomplett

Die Aktion war laut einem digitalen Bekennerschreiben, das bis heute online ist, gerichtet „gegen die kriegerischen und wirtschaftlich motivierten Einsätze der Bundeswehr im Ausland“  und eben auch „gegen die Inhaftierung der Antimilitaristin Hanna Poddig, die am Donnerstag ihre 90-tägige Haft in der JVA Frankfurt antrat.“ So schließt sich der Kreis.

Und warum nun das Panzermuseum? „Das Panzermuseum wurde Ziel unserer Aktion, da es seit Jahren für eben diese verherrlichenden Darstellungen von Krieg, Verbrechen und Mord bekannt ist. Es dient ausschließlich der Propaganda. Insbesondere Kindern und Jugendlichen wird hier ein total verklärtes Bild von Militär und Krieg vermittelt.“ Oder wie es am Ende noch einmal eloquent formuliert wurde: „Krieg doof, Bundeswehr doof, Knäste doof – Hanna freilassen“.

Das DPM hat sich in den letzten Jahren, so hoffen wir, erwiesenermaßen als sowohl selbstkritisch als auch als offen für Kritik von außen gezeigt. Wir suchen stets den Dialog mit Kritikerinnen und Kritikern und nehmen Sorgen und Beschwerden ernst; wir sind selber stetig auf der Suche nach Schwach- und Fehlstellen in unserer Arbeit und bemühen uns aktiv, diese abzustellen, um immer besser zu werden. Wir diskutieren mit Links, Rechts, Oben, Unten, Alt, Jung und allen anderen auch.

Die Kritik der Gruppe war absurd dünn und völlig überzogen, das Mittel der Sachbeschädigung ohnehin indiskutabel. Dennoch haben wir auch damals digital das kritische Gespräch gesucht – und keine Antwort erhalten. Kein Wunder, eigentlich, denn genau in jener Zeit hat das DPM begonnen, kritische (und selbstkritische) Töne in seiner Arbeit prominent zu machen – was den Anschlag nun vollends absurd machte. Es gab auch nie wieder Rosa-Tank-Gang-Aktionen gegen andere Panzer, obwohl die Bundeswehr weiter im Einsatz stand; obwohl die Rüstungsexporte weitergingen.

Letztlich drängt sich mit diesen Faktoren  der Verdacht auf, dass es eine impulsive, vor allem persönliche motivierte Aktion war, die das Panzermuseum nur aus einem einzigen Grund getroffen hat: Dass nämlich der Panzer leicht erreichbar war. Um Panzer mit Farbe zu übergießen, muss man im Regelfall nämlich in Kasernen einbrechen – und das bedeutet Zäune, Stacheldraht, Streifen, Schusswaffengebrauch und harte, strafrechtliche Konsequenzen. Dafür reichte die antimilitaristische Weltretter-Motivation dann wohl doch nicht – weder vorher noch nachher. Widerstand ja – solange man nicht auf Widerstand trifft.

Rückblickend können wir uns dennoch freuen. Über den Farbanschlag berichteten Spiegel, Stern, Morgenpost und viele andere große Blätter digital – und das führte zu einem enormen Anstieg unserer Facebookuser. Und war nicht nur kurzfristig, sondern es war eine langfristige Trendwende. SEIT dem Farbanschlag gehen unsere Facebook-Zahlen steil nach oben.

Vielen Dank, liebe Rosa Tank Gang. Eure rosa Farbe war ein großartiger Dünger, um tausende von Menschen für die Geschichte der Panzerei zu interessieren. So eine Werbeaktion hätten wir nie bezahlen können.

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AfD-Meme: „Will Kulturpolitik von Parteieneinfluss befreien. – Schreibt der Kulturszene vor, was sie zu tun hat.“

Die AfD hat ihren Entwurf für ein Wahlprogramm online gestellt und ich habe mal gegooglet, inwiefern das für mich relevant sein könnte. Denn immer wieder freue ich mich über Postings, die entweder den Mitarbeitern meines Hauses oder auch gern mal mir persönlich androhen, dass ich mich (in Variationen, aber sinngemäß) noch wundern werde, was alles passieren würde, wenn erstmal die „echten“ Volksvertreter an der Macht seien. Die Untertöne changieren dabei zwischen „Dann musst du deine Arbeit anders machen“ über „Dann biste deine Arbeit los“ bis hin zu unverhohlenen Suggestionen, die sich vor allem um Laternenpfähle drehen.

Wenn wir nun im PDF nach „Museum“ oder „Museen“ suchen, so findet sich nur ein Treffer – im Bereich Verkehr. Das macht schon mal nachdenklich, allerdings ist der Eindruck durchaus positiv: Offensichtlich hat die AfD vor, im Rahmen eines Infrastrukturprogrammes auch „öffentliche Gebäude“ zu sanieren und auszubauen; dazu zählt sie auch Museen. Gegen einen Geldsegen, um Löcher im Dach zu stopfen, habe ich natürlich nichts.

Nun, vielleicht gelten ja im Bereich der Kultur dann doch inhaltliche Kriterien für derlei Förderung, also durchsuchen wir das Dokument  nach dem Begriff „Geschichte“. Zwei Treffer, einer unter Leitkultur. Für meinen Belang gerade irrelevant. Der zweite Treffer unter „9.3 Ideologiebesetzte kulturpolitische Vorgaben des Staates beseitigen“.

Hui.

Dann mal ans Eingemachte. „Nirgendwo ist die ideologische Beeinflussung seitens des Staates so stark wie in der Kulturpolitik. Die AfD will die Kulturpolitik an fachlichen Qualitätskriterien und ökonomischer Vernunft anstatt an politischen Vorgaben ausrichten. Dementsprechend müssen der Einfluss der Parteien auf das Kulturleben zurückgedrängt, gemeinnützige private Kulturstiftungen und bürgerliche Kulturinitiativen gestärkt werden.“

Grundsätzlich merkt man hier kontinuierlich die geistige Verrenkung der AfD, eine gewöhnliche Partei zu sein, sich aber als etwas anderes verkaufen zu wollen: Der Einfluss der Parteien auf das Kulturleben soll zurückgedrängt werden – äußert sie als Parteiforderung für das Kulturleben. Der Staat soll die Kulturpolitik nicht ideologisch beeinflussen – die AfD will die Staatsmacht erringen, um  dann die Kulturpolitik neu auszurichten. Diese ganze Argumentation kann natürlich nur dann logisch klingen, wenn man die große Lüge glaubt, dass es einen Dualismus „Ideologie vs. Vernunft“ gäbe. Natürlich sind die Weltsicht und die daraus resultierenden, angestrebten politischen Lösungen von Sozialdemokraten, Linken, Grünen, Liberalen, Christdemokraten und Christsozialen „ideologisch“. Man betrachtet die Welt, man analysiert sie nach bestem Wissen und Gewissen und versucht dann, die nach eigener Auffassung richtigen Lösungen zu finden und durchzusetzen.

Nichts anderes tun AfDler. Sie betrachten die Welt, analysieren sie nach bestem Wissen und Gewissen und versuchen dann, die nach eigener Auffassung richtigen Lösungen zu finden und durchzusetzen.

So weit, so gut, respektabel und sanktionsfähig. Dann jedoch kommt der ebenso effiziente wie nervtötende „Trick“: Anstatt ehrlich zu sagen, dass es einen Wettbewerb verschiedener, begründeter Auffassungen gibt, wird zweigeteilt: Ausschließlich die eigenen Ansichten und Ideen sind „vernünftig“, „pragmatisch“ und „unpolitisch“, alle anderen sind im Gegensatz dazu „ideologisch“ und „politisch“ – und damit folgerichtig „unvernünftig“ und „unpragmatisch“.

Kein schlechter Trick: Zwei Gruppen machen exakt das gleiche, aber die eine schreit lauthals und diskreditiert die andere, um sich selbst zu erhöhen. Chapeau.

Denn die Idee, „Kulturpolitik an […] ökonomischer Vernunft“ auszurichten, ist natürlich reine Politik. Sie ist genauso politisch wie die Überzeugung, dass eine Gesellschaft ihren Kulturbetrieb subventionieren sollte. Zu behaupten, die Idee „Kultur darf kein Geld kosten“ sei unpolitischer und unideologischer als die Idee „Kultur darf Geld kosten“, ist völliger Unsinn, beinahe schon Dada. Aber wenn die Behauptung nur lange genug gebrüllt wird, wird sie schon geglaubt,

Also konkret: Die AfD behauptet, sie will die Kulturpolitik „anstatt an politischen Vorgaben“ an etwas anderem ausrichten. Geht nicht, klappt rein logisch eben nicht. Wer Kulturpolitik macht, macht politische Vorgaben. Kulturpolitische eben.

Und welche sind das? „fachliche Qualitätskriterien“ und „ökonomische Vernunft“.

Fachliche Qualitätskriterien gibt es auf allen Feldern. Natürlich – auf einem so großen und wichtigen Feld wie der Kultur gibt es jede Menge Filz, Nepotismus, Betrug und Kungelei, klar. Der Punkt wird sich aber auch unter einer AfD-Regierung nicht ändern. Aber abgesehen von solch spektakulären Fällen des Betrügens und Scheiterns haben alle Felder des Kulturbetriebes ihre eigenen Qualitätskriterien und Instrumente zu deren Kontrolle und Durchsetzung. Für die Museen sind das beispielsweise die ICOM-Standards und die diversen Gütesiegel. Diese sind trocken und kalt auf rein fachlicher Basis definiert und bereits heute conditio sine qua non für Förderungen. Was die AfD da neu machen will, finde ich ganz spannend, denn es bliebe nur inhaltliche Einflussnahme, wie sie jüngst in einem Landeswahlprogramm vorgelebt wurde.

Ökonomische Vernunft als Maßstab kultureller Arbeit ist nun weiß Gott nichts Neues. Die Idee kam von konservativer und liberaler Seite immer wieder auf – so viel noch einmal zur Idee, dass die „Altparteien“ gänzlich anders dächten als die AfD. Und diese Idee ist grundfalsch.

Richard von Weizsäcker hat es vor Jahrzehnten schon richtig gesagt: „Kultur kostet Geld. Sie kostet Geld vor allem auch deshalb, weil der Zugang zu ihr nicht in erster Linie durch einen privat gefüllten Geldbeutel bestimmt sein darf. […] Substanziell hat die Förderung von Kulturellem nicht weniger eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Haushalte zu sein als zum Beispiel der Straßenbau, die öffentliche Sicherheit oder die Finanzierung der Gehälter im öffentlichen Dienst. […] Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Wenn wir als Gesellschaft also Kultur vorhalten müssen, OHNE dass der private Geldbeutel den Zugang zu dieser Kultur bestimmt (und vor allem auch ohne dass diese Geldbeutel dann kollektiv auch Inhalte und Formen aller Kulturinstitutionen bestimmen), dann KANN sich das Ganze nicht rechnen. Natürlich kann man jetzt aus der ökonomischen Untragbarkeit der Kultur schließen, dass der Staat diese ebene nicht mehr finanzieren sollte, klar. Und kann als Lösung für das daraus entstehende Problem versuchen, die Arbeit auf „gemeinnützige private Kulturstiftungen und bürgerliche Kulturinitiativen“ abzuwälzen.  Aber das ist dann eben nichts anderes als …äh .. ja: ganz gewöhnliche Politik. Genauso, wie es ganz gewöhnliche Politik ist, Kultur für finanzierungswürdig oder gar –pflichtig zu erklären.

Und dann folgt noch einmal ganz großes Kino: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiv identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst.“

Ganz unabhängig davon, was man inhaltlich davon hält: Habe ich da gerade richtig gelesen? Die AfD wirft sich wortreich in Retterpose und verlangt, die „Beeinflussung der Kulturpolitik“ durch „den Staat“ und den „Einfluss der Parteien auf das Kulturleben“ zurückzudrängen – und dann schreibt sie in ihr Wahlprogramm, wie genau sie als Partei die Kultur beeinflussen will, sobald sie durch die Wahlen nur die Staatsmacht dazu hat? Großartiger Unfug orwellscher Dimension.

Auch hier gilt also wieder: Dieser Unfug ist nur dann geistig mitzudenken, wenn man die wie aufgezeigt unsinnige Prämisse glaubt, dass die AfD wesensmäßig etwas ganz anderes ist als die anderen Parteien. Wenn andere Parteien finden, dass ein geschichtspolitischer und erinnerungskultureller Schwerpunkt auf die NS-Zeit richtig ist, dann ist das „Ideologie“, „Politik“, „Beeinflussung“. Wenn die AfD findet,  dass ein geschichtspolitischer und erinnerungskultureller Schwerpunkt auf die NS-Zeit falsch ist, dann ist es NUR „Vernunft“ und „Menschenverstand“. Keinesfalls Politik, schon gar nicht Parteipolitik, und wenn man die errungene Staatsmacht nach September ´17 dazu nutzte, diese Überzeugung durchzusetzen, ist es natürlich keinesfalls eine „ideologische Beeinflussung seitens des Staates“. Denn die AfD hat ja eben keine Ideologie, sondern nur Vernunft.

Oh Jebus Kaktus. Was für ein durchsichtiger Unfug.

Ironischerweise beweist die Forderung nach dem geförderten „Aufbrechen“ der „aktuellen Verengung“, dass die AfD weitaus mehr als alle anderen Parteien die Kulturpolitik „ideologisch beeinflussen“ will. Denn die Historisierung des NS ist ein unaufhaltsamer Prozess, der seit seinem Ende unausgesetzt in Gang ist und unaufhaltsam seinen Weg machen wird. Genau wie bei Napoleon und dem Ersten Weltkrieg wird auch der Zweite Weltkrieg von einer politisch virulenten und damit herausstechenden Entität zu einem Ereignis unter vielen im Gewebe der Geschichte werden, das ist überhaupt nicht zu verhindern. Bereits jetzt ist der gesellschaftliche Umgang mit dem NS ein ganz anderer als noch vor 20 oder 40 Jahren und wenn ich irgendwann in Rente gehe, wird man vermutlich auch in Deutschland die ersten Wehrmacht-Reenactor bei Volksfesten sehen. Man kann davon halten was man will; unvermeidbar ist es.

Dass die AfD nun so tut, als ob dieser Prozess nicht stattfände, beweist entweder, dass sie a) keine historische Kompetenz in ihren Reihen hat oder b) dass sie Lust hat, einen Kulturkampf vom Zaun zu brechen und die Historisierung und Normalisierung des NS gegen seine natürliche Geschwindigkeit voranzutrieben, um sich so in das ideologische (sic!) Gefecht mit den Gegnern zu werfen.

Zu insinuieren, dass die „positiv identitätstiftenden Aspekte deutscher Geschichte“ aufgrund partei- und staatspolitischer Beeinflussung heute ignoriert werden (denn da steht kein „stärker“ oder „mehr“), macht die zweitere Deutung wahrscheinlich. Denn in deutschen Schulbüchern steht unübersehbar und seitenweise positiv-identitätsstiftendes zur deutschen Geschichte. Und dass die Leute der AfD-Programmkommissionen in ihrem Leben nicht einmal Schulbücher in der Hand gehabt haben … das wäre zwar eine verlockende Aschermittwochswatschn, wäre dann aber doch zu billig.

Bleibt also nur die Schlussfolgerung, dass die skizzierten Pläne außergewöhnlicher, parteipolitischer Einflussnahme auf die Erinnerungskultur eben doch nichts anderes als das Instrumentarium eines ganz gewöhnlichen Kulturkampfes sind. Der Kampf um die Deutungshoheit über die Geschichte und damit die Gegenwart soll einmal mehr geführt werden; diesmal mit den etablierten Linken als Establishment und den (gar nicht mehr so) Neuen Rechten als Neo-68er, die alles mal schön umwerfen wollen.

Kann man machen. Ich freu mich auf die Debatten. Spätestens, wenn ich mich mit einem AfDler im MWK um Fördergelder streiten muss, wird’s spannend.

Aber bitte, liebe AfD. Dann habt doch auch mal das Rückgrat, das so zu sagen. Und bemüht nicht immer dieses beleidigend stupide „Ideologie vs. Vernunft“-Argument, sondern steht zu euren Ideen und Überzeugungen ALS Ideen und Überzeugungen. Jeder dritte AfD-Wähler hat mittlerweile Kreuzritter als Facebook-Profilbild, aber eine Ideologie? Um Gottes Willen, das wäre ja schlimmer als Syphilis.

Also, AfD, auf geht’s. Ich freu mich auf den Streit. Wenn ich nach der Wahl nicht schon an irgendeiner Laterne hänge, natürlich.

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Ein Vortrag über das Maschinengewehr. Seite 3 wird Sie zum Weinen bringen.

Im Jahre 2007 fand die Jahrestagung des Arbeitskreises Militärgeschichte unter dem spannenden Titel „Die Waffe als militärisches Instrument und Symbol“ statt. Das Ganze war recht anregend; ein Tagungsbericht findet sich hier. Bei dieser Tagung habe ich zum ersten Mal einen wissenschaftlichen Vortrag gehalten, und ich glaube, die Unternehmung ist nicht gänzlich missglückt. Leider ist kein Tagungsband entstanden, so dass mein Text erstmal liegen blieb. Ihn andernorts zu veröffentlichen, habe ich damals nicht wirklich versucht, und so lagerte der Vortragstext in der digitalen Ablage.

In genau dieser fand ich ihn soeben auch zufällig wieder; auf einer alten Festplatte nämlich. Nun werde ich diesen Text auf keinen Fall mehr veröffentlichen, weil es einen enormen Aufwand bedeuten würde, die ganzen Belege zu finden – für so ein Projekt habe ich keine Zeit. Gleichzeitig ist der Text aber immer noch ganz fein und ich weiß, dass ich damals inhaltlich sauber gearbeitet habe. Zur Anregung und Unterhaltung von Leserinnen und Lesern ist er also immer noch geeignet. Was also läge näher, als den Text einfach im Netz zu veröffentlichen?

In diesem Sinne: Ralf Raths: Das Maschinengewehr als ein symbolischer Kristallisationspunkt der Modernisierung? (Berlin 2007)

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Kurzrezension!

Eine knappe, fundierte Überblicksdarstellung zur SS zu finden, ist nicht so leicht. Kogons „SS-Staat“ kann allenfalls noch als historische Quelle dienen, und Höhnes „Orden“ ist ebenfalls rundum veraltet – mal abgesehen davon, dass das Buch schon zu seiner Entstehungszeit eher populär ausgelegt war. Dennoch sind es genau diese beiden Bücher, die man immer wieder stapelweise in Buchhandlungen zur Ramschpreisen liegen sieht, und die zusammen mit inhaltsschwachen Bildbänden dubioser Provinienz und Qualität daher immer noch die Hauptquelle für das breite Wissen über die SS ausmachen. Wer tiefer graben wollte, musste schnell in detailliertere Studien eintauchen – Heins sehr gutes Buch zur Allgemeinen SS, Wegeners Klassiker zur Waffen-SS und der jüngere Sammelband zum Thema und Orths Buch zur Konzentrationslager-SS bilden einen guten Dreisatz, sind aber eben auch weit weg vom Anspruch eines knappen Überblicks und den verknüpfenden Überblick muss der Leser selbst leisten. Hein hat in der Beck’schen Reihe mittlerweile auch einen Band zur SS beigesteuert, der diesen Anspruch sicher erfüllt; soviel wage ich zu behaupten, auch wenn ich ich noch nicht gelesen habe. Aber die Beck’schen 150 Seiten sind dann doch auch wieder arg knapp.

Clipboard01Daher habe ich mir vor einiger Zeit Koehls Buch gekauft und es nun endlich gelesen. Zuerst einmal habe ich es aber nach dem Auspacken enttäuscht weggelegt, weil ich Opfer meiner eigenen Konditionierung geworden bin. Ein schneller Blick ins Buch zeigte: Keine Fuß- oder Endnoten, keine Bibliographie, nicht mal eine „Further reading“-Liste. Also doch nur wieder eines dieser mythenreproduzierenden Populärwerke. Schade um’s Geld.

Nach einiger Zeit habe ich das Buch dann wieder in die Hand genommen, weil ich unbedingt das Thema angehen wollte und zähneknirschend dem Machwerk eine Chance geben wollte. Und gleich der erste Satz der Einleitung hat mich positiv gefesselt: „The men in the black coats were, after all, men.“ Und auch die folgenden Zeilen waren kreativ, fesselnd, differenziert. Also hab ich das Buch erneut gescannt und die „About the Author“-Seite wies selbigen als Geschichtsprofessor der Uni von Madison aus; eine schnelle Recherche ergab, dass der Mann jahrzehntelang zum NS und zur SS geforscht, publiziert und gelehrt hat. Der 1922 geborene, in Harvard promovierte und 1997 emeritierte Koehl hat dieses Buch vermutlich so handwerklich … schlank publiziert, weil a) er es qua Reputation konnte und b) es in dieser Form vermutlich einen deutlich breiteren Markt gefunden hat.

Nun, wer auf diese Mimikry reingefallen ist, wird bitter enttäuscht worden sein – so, wie ich im Gegenzug hoch erfreut wurde. Denn Koehls Buch ist dicht, reichhaltig und es verlangt einiges vom Leser. Koehl geht davon aus, dass seine Leserschaft firm in der NS-Geschichte ist und auch Details wie den innerparteilichen Putsch Hitlers einfach mal mal parat hat; und er geht davon aus, dass sie hochkomprimierten Gedankengängen folgt. Man merkt dem Buch wieder und wieder und wieder an, wieviel Wissen in jedem Absatz steckt und dass Koehl sich wirklich Mühe geben musste, all das so weit zu komprimieren, dass es auf knapp 300 Seiten passt. Trotz der geringen Seitenzahl differenziert und analysiert er ausgiebig, vergisst aber dabei auch nicht, ein großes Narrativ zu spinnen, das den Leser auf Linie und die SS als Ganzes im Blick behält, ohne der Verlockung zu erliegen, sich in die einzelnen Wucherungen ihrer Organisation zu verirren. Beeindruckend ist dabei vor alle, wie Koehl immer wieder überzeugend klar macht, wie die SS sich immer wieder wandelte und wie wenig sie dabei zu jedem Zeitpunkt den heutigen Mythen über sie entsprach; und wie er dabei immer wieder verdeutlicht, wie ergebnisoffen diese Prozesse und Entwicklungen waren. Hier zeigt sich eine große Nähe und wunderbare Passgenauigkeit zu Longerichs SA-Buch, das ähnliche Stärken hat. Beide Bände gehören also nicht nur vom Titel und Thema her direkt nebeneinander ins Regal.

Das Buch ist ein Muss für jeden, der aus welchen Gründen auch immer irgendwas über die SS wissen muss. Denn eines ist sicher: Was wir über die SS zu wissen GLAUBEN, ist fast immer der Nachhall von (vor 1945) Propaganda und (nach 1945) Sündenbock-Mechanismen. Koehl bietet eine überzeugende, fesselnde Alternativinterpretation an. Aber man muss arbeiten, um sie aus dem Buch zu holen – und steht dann immer noch ohne Belege und weiterführende Literatur da. Meine Idee war, Koehl einfach anzumailen und nach einer Belegliste zu fragen; amerikanische Professoren sind oft sehr offen für solche Fragen. Leider ist er im Sommer 2015 verstorben. Er hat uns also mit Hausaufgaben zurückgelassen.

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Zur Landtagswahl: Hoch die roten Fahnen. Und die gelben. Und schwarzen. Und …

Der „Superwahlsonntag“ (meine Güte …) ist durch, die Ergebnisse fielen aus wie erwartet und die medialen und sozialmedialen Nachbeben sind in vollem Schwange.

Was mich persönlich dabei am meisten irritiert, sind die Reaktionen in meinem privaten, virtuellen Umfeld. Ich verorte mich persönlich deutlich links, dunkelrot irgendwo zwischen den Farbtöpfen der alten SPD und der pragmatischen Linken. Laut sind die Aufschreie nun, die ich lese – empört und vielfältig in ihrer Stoßrichtung: Die einen beschimpfen die AfD-Wähler je nach Grad zugemessener Eigenschuld als Schafe, Idioten, Rassisten oder Nazis; die anderen gehen die AfD direkt an, entweder als Nazis im Bürgerpelz, braune Rattenfänger oder „nur“ als tumbe, heimatverliebte Idioten, die den Gang der Welt nicht verstehen. Immer wieder gern genommen ist jedenfalls der Vergleich mit den späten 1920er und den frühen 1930er Jahren, gleichzeitig wird auch immer wieder Bestürzung und Verwunderung kundgetan, wo die alle plötzlich herkommen und vor allem warum.

Das wundert mich schon sehr, denn da tritt zweierlei mit dem selben Resultat auf: Unreflektiertes Schönwetter-Linkssein und betonköpfiges Retrolinkssein. Beides ist unschön.

Die Bundesrepublik war nach 1970 immer angenehm linksfreundlich. Schwarze Kanzler, Landserheftchen neben den Schleckmuscheln und die allgegenwärtige Jägerzaunidylle haben daran im Kern nichts geändert. Das nationalkonservative und völkische Milieu war abgetaucht, die Mission der Union, rechts neben sich nichts zuzulassen, hat auch den Linken das Leben leicht gemacht. Natürlich hat so mancher aufrechte Sozialist im Westen schwer unter Vorurteilenund teilweise auch beruflichen Repressionen zu leiden gehabt, aber spätestens 1990 war der Junge-Union-Schüler die Witzfigur und der abgerissene Langhaarige an den Schulen wenn nicht die Norm, so doch Teil der Normalität. Die Republikaner, die DVU, die BPD – Witzfiguren, Lachnummern, kleingehalten durch den Nachkriegskonsens der alten BRD.

Aber wer wirklich geglaubt hat, dass das ein Endzustand hätte werden können, hat sich immer etwas vorgemacht. Historisierung ist ein Generationenprojekt, und der Blick ins europäische Ausland hat immer klar gemacht, dass das nationalkonservative und völkische Spektrum mitnichten 1945 einfach den Dienst quittiert hat. Auch in Deutschland war es immer nur eine Frage der Zeit, bis am rechten Rand wieder ein Partei erstehen würde, die dieses Spektrum abdeckt. Nun ist sie da – keineswegs überraschend, wenn man sich mal mit dem politischen Ton und Vorstellungswelten so mancher CDU/CSU-Stammtische in den 1980er Jahren befasst. Da war „der Kanake“ oft nicht weniger Stammgast als heute auf der blauen Wiese. Fast 100 Jahre lang waren Konservatismus und Reaktion, Patriotismus und Nationalismus, Militarismus und Patriarchat die Leitlinien in Deutschland, bis der berühmt-berüchtigte Zeitgeist aufgrund historischer Umstände für einige Jahrzehnte ins Gegenteil kippte. Aber ihr habt doch nicht wirklich geglaubt, dass damit alle diese Ideen und Werte einfach verschwinden? Also bitte. Aus dem gleichen Grund ist es unredlicher Zweckoptimismus, darauf zu warten, dass die Partei mit dem Abklingen der Flüchtlingskrise wieder verschwindet.

Eine Partei, die mehr Armee, mehr Polizei, weniger Diversität in Sexualität und Kultur, das Erstarken der Religion und des Patriotismus, Staatsmedien und Sicherheit vor Freiheit und so weiter und so fort fordert, wird immer ein Publikum haben, wenn sie einmal aus dem Nebel zwischen rechtem Rand der Union und dem bürgerlichen Teil der NPD herausgetreten ist. Sie ist daher genau so normal wie das Erstehen der Partei „Die Linke“. Wir auf der linken Seite haben auch immer wieder betont, dass es im europäischen Kontext völlig normal sei, dass eine Partei des demokratischen Sozialismus in den Parlamenten sitzt, und dass es eben eine spezifisch deutsche Sonderentwicklung war, dass dem lange nicht so war. Dass das kein Grund zur Sorge und zur Hysterie ist, schon gar nicht für Vergleiche mit der Weimarer Republik oder gar dem Stalinismus.

Und nun betreiben gerade die Linken das gleiche Spiel. Bei allen konkreten Gefahren, die die AfD darstellt, ist es genau so unbegründet-hysterisch, ihr das Existenzrecht abzusprechen, Vergleiche zu Weimar zu ziehen und den Weg in eine neue Shoa zu beschreien.

Was nun wirklich ansteht, ist, Linke Ideen mit Verve und Rückgrat zu vertreten. Gegen Schwarz-Gelb links zu sein war schön einfach, weil man sich letztlich im selben politischen Wellness-Nichtschwimmerbecken bewegt hat: Eine freie, demokratische, reiche Republik, die bei allen Mängeln doch ein wundervolles, bequemes Land war. Kein Vorstoß von CDU/CSU hat die Pluralität, die Freiheit, die Offenheit, die Buntheit dieser Republik wirklich jemals bedroht: Sogar Debatten wie die Leitkultur und „Kinder statt Inder“ waren eklig, aber letztlich nicht wesensmäßig bedrohlich für die Bundesrepublik. Die marktliberalen Eiswinde, ob nun durch Rot, Schwarz oder Gelb, waren traurig, aber handhabbar im Rahmen unseres unendlichen Reichtums.

Die AfD ist wesensmäßig bedrohlich. Nicht, weil „das alles Nazis“ sind. Oder weil „die alle doof“ sind. Die AfD ist gefährlich für Wesen und Konsens dieses Landes. Hier sammelt sich eine politische Überzeugung, die vieles von dem, was dieses Wesen und den Konsens ausmacht, zurückdrehen will – in fiktive Heilsreiche wie die Bundesrepublik vor ’68, das Kaisereich und sicher in vielen Fällen auch in die imaginierte „Volksgemeinschaft“ des Nationalsozialismus.

Hier kommen jetzt die Ideen, die das Land wirklich verändern können: Sicherheit statt Freiheit, Kranke in den Knast statt in Behandlung, LGBT unterdrücken statt leben lassen, mehr Staat, mehr Exekutive, mehr Überwachung; Nationalismus statt Globalität und so weiter und so fort. Das ist keine üble Nachrede, ich tue hier nur das, was die AfD immer will: Ich nehme ihre Aussagen ernst, ebenso wie den eigenen Anspruch, den linken Mainstream und Zeitgeist zu brechen.

Aus meiner Sicht ist all dies Konkrete schon bei weitem gruselig genug, ganz ohne Phantasmen von neuen KZ. Und die Gefahr einer schiefen Ebene DORThin muss jedem Historiker noch dazu klar sein.

Was erwächst daraus für einen Linken? Der Auftrag, diese neue Gruppierung als politischen Gegner (nein, nicht Feind – Carl Schmitt war einer von denen, nicht von uns …) ernst zu nehmen und in jeder Debatte, in jedem Medium politisch zu bekämpfen. Es darf nicht darum gehen, das Phänomen „nicht glauben zu können“, die Wähler zu beschimpfen oder die Debatte zu verweigern. Mit all dem stärkt man nur das gegnerische Lager und entlarvt sich als das politische Leichtgewicht, das man dann ist. Vielmehr muss die Logik sein, die gegnerischen Argumente ernstzunehmen, sie zu verstehen und ihre Überzeugungs- und Lockkraft zu verstehen, und dann BESSERE Gegenangebote zu machen. Diese Gegenangebote können aber nur attraktiv sein, wenn man sie aus einer Position der politischen Selbstsicherheit heraus macht. Überzeugen kann nur, wer selbst überzeugt ist; nicht derjenige, der kreischt.

Und als praktische Lehre der Geschichte erwarte ich jetzt größere Flexibilität bei allen etablierten Parteien untereinander. Anstatt das Ritual des Aufeinander-Herumhackens-aus-Prinzip fortzuführen, das witzig war, als man noch allein war, sollten sich die Parteien der Vor-AfD-Ära nun bei allen Streitpunkten auf ihre Gemeinsamkeit besinnen, nämlich die gemeinsame Verwurzelung in einer dem Wesen nach offenen, freien und bunten Gesellschaft. Nutzen wir das Gejammer der AfDler vom Parteienkartell konstruktiv und lassen deren Vision Wahrheit werden. Ich erwarte künftig Rot-gelbe Koalitionen, schwarz-dunkelrote Koalitionen, grün-schwarze Koalitionen und was der Farbtopf noch so her gibt. Denn lieber schlucke ich Kröten im politischen Alltagskleinklein, statt die Pluralität dieses Landes gegen eine „volksgemeinschaftliche“ Uniformität einzutauschen.

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Social Media für Museen – ganz oder gar nicht?

Der österreichische Standard hat folgenden Artikel zur titelgebenden Frage gepostet: Klickenbittedanke

Ich  möchte das mal eben kommentieren: Der Artikel will in die richtige Richtung (mehr Social Media an den Museen) und sagt dazu auch einige richtige Sachen, vor allem das „Hintergründiges zieht an“.

Aber in Summe wird er vermutlich das Gegenteil von dem bewirken, was er möchte. Der Satz, dass Social Media nur gut gehe, wenn man Geld in die Hand nehme, wird den diversen Trägern schon die Nackenhaare hochgehen lasse, und bei der Zahl von 16 Mitarbeitern gehen die Schotten ganz zu. Klar, Moma und Louvre sind (im besten Sinne) absurde Einzelfälle durch ihre Likes, aber das interessiert dann schon nicht mehr. Letztlich stimmt der Artikel wieder nur in den immer gleichen, alten Chor ein: „Das muss man mit Personal und Geld machen, sonst wird das nix.“ Und dieses Motto bringt in 90% der Fälle dann eben kein Personal und Geld, sondern ein Abwinken: „Dann eben gar nicht.“

Und zu einem gewissen Grad verstehe ich unsere Träger da vollkommen. Denn Social Media ist keine Hexerei, die gleich die besten gusseisernen Kessel, schwarze Biowachskerzen und Alraune aus Fair Trade Bioanbau braucht; anfangs reicht auch ein handelsüblicher Topf und Oregano aus dem Streuer; oder deutlicher gesagt: Man kann SEHR viel wuppen, wenn man das Thema mit Enthusiasmus, Kreativität und ein wenig schnell angelesenem Fachwissen angeht.

Diese häretische Aussage kann ich mir erlauben, denn das Panzermuseum hat über 58.000 Facebookfans bei etwas über 100.000 Besuchern und reiht sich damit ganz oben in allen Vergleichslisten ein. Und nicht nur das; die Reaktionsquoten auf unsere Beiträge sind exzellent, wenn wir das wollen. (Aus didaktischen Gründen posten wir auch andere Sachen, aber das führt zu weit.) Und wie wird dieser Vorzeigeauftritt betreut? Von 2 Mitarbeitern im Nebennebenamt. Wir haben momentan noch deutlich dringendere Personalprobleme als eine/n Onlineredakteur/in. Jetzt erst bekommen wir eine/n Kurator/in, in nacher Zukunft hoffentlich eine/n Museumspädagog(i/e)n. Aber dann? Dann können wir mal über eine Onlineredakation nachdenken, aber dann haben wir auch Argumente: Dann haben wir nämlich etwas nachweisbar Produktives gestartet und wachsen lassen (empirische Daten sammeln nicht vergessen!), dass eine Größe erreicht hat, die eine nebenamtliche Betreuung dann wirklich nicht mehr zulässt – aber zu diesem Zeitpunkt wird Social Media schon lange völlig unverzichtbar für unseren Betrieb geworden sein. DANN sehe ich auch eine Chance, dass unsere Träger das einsehen.

Momentan wird sich noch viel zu sehr hinter dem Credo versteckt, dass sich Social Media ja nicht lohne, wenn man es nicht sofort groß und professionell aufzöge – bei Trägern aus Geldsorgen und bei vielen von uns aus schlichter Faulheit – machen wir uns da mal nix vor.

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Erntezeit! Oder: Wer lange nervt, wird endlich fertig.

In den letzten Wochen habe ich eigentlich nur eines gemacht: Das Konzept für das neue Panzermuseum ausformuliert: Umbau, Umstrukturierung, Neugestaltung.

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Nun gilt natürlich, dass so ein Unternehmen eine Teamleistung ist: Die Kollegen von der Stadt machen die Verwaltung und den Bau für uns; die Bundeswehr macht alles, was mit den Fahrzeugen zu tun hat; alle Mitarbeiter im Museum unterstützen an allen Fronten. All das gilt für all die letzten Jahre, die uns als Team an diesen Punkt geführt haben. Aber ich gebe auch zu, dass ich momentan einfach ausgesprochen stolz und zufrieden bin und mit einer beruflichen Vorfreude in die Zukunft blicke, wie schon lange … wie noch nie eigentlich. Ich nehme mir deshalb heute einfach mal die Freiheit, ein paar Zeilen egozentrisch zu schreiben.

Ich bin seit Ende 2008 im Panzermuseum – anfangs auf einer halben Stelle als wissenschaftlicher Leiter, was damals wirklich noch Babyschritte bedeutet hat. Einige neue Tafeln für ein paar hundert Euro waren ein großer Schritt, manchmal gab es sogar Streit über diese Kleinigkeiten. Ein Interview mit dem Lokalblatt war ein Ereignis und jedermann und sein Hund dachten, sie könnten meine Arbeit bewerten oder gar diktieren. Ich hatte eine vage Vision, wo das Museum hinsollte, aber die Hindernisse erschienen riesig.

Heute sind wir bereits weiter, als ich in der Vision auch nur zu hoffen wagte. Mittlerweile sind die Besucherzahlen um fast 50% gestiegen; es laufen Events mit fünfstelligen Besucherzahlen, ohne das wir ins Schwitzen geraten; das Museum ist regelmäßig national und international in Radio, TV und Fernsehen; das Museum referiert international auf Konferenzen und publiziert wissenschaftlich; in wenigen Wochen gründen wir bei uns im Haus den Weltverband der Panzermuseen und unser Facebook ist einer der besten Auftritte von Museen Europas.

Jahrelang habe ich in hundert kleinen Einzelschritten, mit hundert kleinen Projekten und tausend Gesprächen Überzeugungsarbeit geleistet (nicht selten in Form eines stupiden Abnutzungskrieges) und die Rahmenbedingungen geschaffen, um das Museum zu dem zu machen, was es heute ist: Ein Haus, das allseitig für seine Arbeit anerkannt ist: Bei den politischen Fraktionen, bei den Trägern, in der Presse und der Museumsszene. Und damit auch ein Haus, dessen autonomes Entscheiden und Handeln (im Rahmen seiner Trägerkonstruktion natürlich) niemand mehr in Frage stellt. Während früher jedermann glaubte, uns in die Arbeit reinreden zu dürfen und zu können, hat sich das heute praktisch vollkommen erledigt.

Eigentlich könnte ich mich zurücklehnen und das Museum auf diesem mittleren Level einfach laufen lassen. Ich müsste nur soviel Arbeit investieren, dass ausreichend Erneuerung stattfindet, um die Besucherzahlen nicht zurückgehen zu lassen. Das Museum ist bereits ein wichtiger Akteur der deutschen Geschichtskultur; wir machen etwas mit den Köpfen vieler unserer hunderttausend Besucher pro Jahr. Das ist bereits jetzt viel mehr, als ein Großteil unserer 6.500 Konkurrenten von sich behaupten kann.

Aber nun, nach sieben Jahren mühseliger Aussaat, ist die Gelegenheit zur Ernte zu verlockend. Die Rahmenbedingungen sind da, um den ganz großen Wurf zu machen: Die komplette Neugestaltung des Museums in fast allen Facetten; die Transformation von der exzellenten Schausammlung zum vollwertigen ICOM-Museum; den Schritt von der Improvisation als internem Dauerzustand hin zur strukturierten Organisation.

Vor drei Jahren haben wir dazu schon ein Basiskonzept geschrieben, das noch vage war, aber in der Sache schon vollkommen richtig. Doch danach ging es nicht mehr richtig weiter; das Projekt kam nicht in Schwung. Ich habe mich darüber oft gewundert, aber heute weiß ich, dass die kritische Masse noch nicht erreicht war; die richtige Durchschlagskraft noch nicht erreicht, um mal im Thema zu bleiben. Nun ist dieser Punkt erreicht, und seit einigen wenigen Monaten geht das Ganze mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Ich freue mich wie ein kleines Kind darüber.

„Gleichzeitig ist der Druck, der mit der Erneuerung einer Dauerausstellung einhergeht, auf die Verantwortlichen Museumsleute von vielen Seiten groß. Viele Wissenschaftler/innen sind nur ein Mal in der ihrer beruflichen Laufbahn in der Situation, einer Dauerausstellung zu realisieren. Umso schwerer wiegt, dass gerade ständige Ausstellungen stark im Fokus der Fachöffentlichkeit und Kollegenschaft, der Medien, der Politik, der Sponsoren und schließlich des Publikums stehen, die sehr unterschiedliche Erwartungen an eine Ausstellung herantragen.“ (1)

Vor Jahren hätte mich dieses Zitat noch verunsichert. Heute nicht mehr. Die Entwicklung, die das Haus an den Punkt gebracht hat, an dem es heute steht, wird uns wie auf Schienen weiter in die richtige Richtung tragen. Ein Scheitern als Option erscheint mir absurd. Ich freue mich darauf, nicht zuletzt, sondern vor allem, wegen des Teams, mit dem ich die Arbeit angehen darf. Es wird hart, aber (und so schließt sich der Kreis wieder zum Team) es wird auch ein Vergnügen, diese Aufgabe zu wuppen mit den Kollegen aus dem Haus und in der Stadtverwaltung und mit den Kameraden von der Bundeswehr.

(1) Habsburg-Lothringen. Bettina: Dauerausstellungen. Erbe und Alltag, in: dies.: Dauerausstellungen. Schlaglichter auf ein Format. Bielefeld 2012. S.9-20. S.16.

 

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