Yin-Tiger und Yang-Tiger

Nachdem die offizielle Einweihung des Tigers sich um mehrere Wochen verzögert hat, fand sie heute nun erfolgreich im Panzermuseum statt. Die Rede, die ich dort gehalten habe, findet sich unten und dient gleichzeitig als Antwort auf die Frage: „Wenn der Sekt getrunken und die Dankesworte gesprochen sind – was macht ein Panzermuseum mit einem Tiger?


„Sehr geehrte Damen und Herren,

wir weihen heute den Tiger als Exponat im Deutschen Panzermuseum ein.Für unser Haus ist dieser Panzer Geschenk und Herausforderung zugleich für uns. Lassen Sie mich zuerst die positive Seite beleuchten; lassen Sie mich sagen, warum der Tiger ein Geschenk für das DPM ist.

Der Tiger ist für ein Panzermuseum ein unverzichtbares Exponat, dessen Fehlen sowohl für uns schmerzlich war, als auch von den Besuchern unausgesetzt bemerkt wurde. Kein Wunsch wurde über die Jahre so oft geäußert wie der, einen Tiger in der Ausstellung sehen zu können. Hunderte solcher Kommentare haben wir über die Jahre auf Besucherfragebögen gelesen. Nicht selten ging die entschiedene Wertung damit einher, dass ein deutsches Panzermuseum ohne einen Tiger den Namen kaum verdient habe.

Auch wenn der letzte Gedanke sicher übertrieben war, so war der Wunsch der Besucher nach diesem Panzer nicht unbegründet.  Viele Panzer fehlen im Deutschen Panzermuseum, aber die Abwesenheit des Tigers hat gleich drei Lücken gerissen, die nun endlich geschlossen sind.

Erstens: Der Tiger in der Ausstellung schließt eine Lücke in der Technikgeschichte des DPM.

Konzeption und Konstruktion des Tigers folgen bestimmten gedanklichen Leitlinien, die ins größere Ganze der deutschen Panzerentwicklung zwischen 1916 und 1945 eingebettet sind. Da wir darum bemüht sind, genau solche langen Linien in der Geschichte aufzuzeigen, war es immer unschön, für einige dieser Linien in einer bestimmten Zeit kein Sachzeugnis zu haben – also keine Ergebnis, keine Manifestation zeigen zu können. Ein Museum ermöglicht den Menschen den Kontakt mit dem historischen Original. Ohne das Original als Sachzeugnis für das Beschriebene sind wir bloß ein begehbares Hörbuch.  Der Tiger ermöglicht es uns also, ein bestimmtes Kapitel der Technikgeschichte endlich museal zu präsentieren.

Zweitens: Der Tiger schließt eine Lücke in der Militärgeschichte des DPM.

Tiger waren wichtige Instrumente der Kriegführung der deutschen Wehrmacht.  Sie waren niemals als Standardpanzer gedacht, sie sollten niemals zu tausenden an die Front rollen. Ihre museale Relevanz ergibt sich nicht aus ihrer Alltäglichkeit wie dies bspw. beim Panzer IV oder T-34 der Fall ist. Die militärhistorische Relevanz der Tiger liegt darin, ausgesprochene Spezialwerkzeuge gewesen zu sein. Sie waren in der ursprünglichen Planung hochkomplexe Werkzeuge für sehr spezielle Aufgaben.  Für diese genau definierten Aufgaben war eine überschaubare Zahl dieser sehr teuren Fahrzeuge ausreichend.

Diese Aufgaben erweiterten UND häuften sich in der zweiten Kriegshälfte jedoch zunehmend und die Tiger wurden zu einer Art Feuerwehr, die – besonders an der Ostfront – pausenlos im Einsatz stand. In der operativen Kriegführung der Wehrmacht spielten die Tiger also eine zentrale Rolle, obwohl es so wenige davon gab. Für das DPM, das auch die Operationsgeschichte seiner Exponate erzählen will, ist es also wichtig, ein Sachzeugnis dieser operativ so lebenswichtigen Fahrzeuge zeigen zu können. Auch hier waren wir bisher ein begehbares Hörbuch, auch hier werden wir für dieses Zeitfenster und Thema durch den Tiger zu einem besseren Museum.

Drittens: Der Tiger schließt eine Lücke in der allgemeinen Geschichte

Der Tiger ist viel mehr nur ein historischer Panzer unter vielen.  Er gilt vielen Menschen als eines der zentralen Symbole des Zweiten Weltkrieges. Seine spezifische Formgebung wird sogar oft von Menschen erkannt, die ansonsten gar kein Interesse an Panzern haben. Seine Allgegenwart in Fernsehberichten und Filmen, in Büchern und im Internet  haben dafür gesorgt, dass der Tiger zu einer Ikone des Weltkrieges geworden ist – so wie auch die Stuka oder die Flying Fortress. Der Tiger wird erkannt, er ist eine kondensierte Manifestation des Zweiten Weltkrieges – er weist über sich hinaus auf die großen Zusammenhänge des Weltkrieges.

Sie erklären sich dadurch nicht, wohlgemerkt. Das muss immer noch das Museum machen. Aber seine Präsenz schließt das Bewußtsein vieler Besucher dafür auf, sich hier und jetzt im DPM „wirklich“ mit dem Weltkrieg zu beschäftigen und dessen spezifischen Charakter zu verstehen. Der Tiger ist nicht nur Sachzeugnis, sondern Ikone eines der größten Konflikte der Weltgeschichte und erleichtert es den Besuchern so, sich auf die größeren Kontexte  hinter der Technik einzulassen. Sie sehen, dass das Einstellen des Tigers die museale Qualität des DPM also in einem erstaunlichen Maße verbessert hat.

Kein anderes Exponat hätte diesen Qualitätsschub in auch nur annähernd dem gleichen Maße leisten können. Der Tiger ist also sowohl für die Museumsmacher als auch für die Museumsbesucher ein großes Glück. Er bestärkt das Museum in seinen beiden zentralen Aspekten der Vermittlung – in der Bildung ebenso wie in der Unterhaltung. Daher danken wir dem Leihgeber noch einmal ausdrücklich für seine Bereitschaft, den Tiger hier zu zeigen.

Der Tiger ist aber auch eine Herausforderung für uns.

Im Grunde genommen stehen wir hier nämlich nicht vor einem Tiger, sondern vor einer Kuh. Vor einer Heiligen Kuh. Der Tiger ist in der öffentlichen Erinnerung maßlos überhöht. Das Fahrzeug hat einen Ruf als Wunderpanzer, der jenseits von allem ist, was rational begründbar wäre. Dieser Panzer hat Legionen von Fans auf der Welt, und diese Fans begegnen dem Tiger mit einer emotionalen Erregung, die oft schon an den Bereich der Erotik grenzt. Zeitgenössische Propaganda, sich passgenau ergänzende Erfahrungen der Zeitgenossen in und vor den Tigern, jubilierende Memoiren, einseitig-kritiklose Darstellung in den Medien und Faszination für schwere Maschinen verbinden sich hier zu einer Bewunderung, die teilweise schon fetischhafte Züge trägt.

Diese Tatsache ist an sich schon irritierend genug, wenn man, wie es für Museumsleute Pflicht ist, mit kühler Distanz auf das Objekt schaut. Sie wird aber in dem Moment zum Problem, in dem sie herausgefordert wird.  Der Tiger ist sachlich betrachtet nur ein historisches Gefechtsfahrzeug.

Als solches hatte der Tiger Vorteile, aber eben auch Nachteile.  Die Tiger haben Erfolge errungen, aber sie haben eben auch Niederlagen erlitten.  Der Tiger war in einigen Teilen technisch sehr fortschrittlich und originell, in anderen Teilen konservativ. Mit anderen Worten: Aus der distanzierten Sicht des Historikers ist der Tiger ein historisches Fahrzeug, das differenziert betrachtet werden kann und muss.

Diese Sicht ist für den Fan ein Affront. Der Fan will das wohltuende Bild des Wunderpanzers unangetastet sehen und reagiert gereizt. Eine abweichende Sicht auf den Tiger wird als unfundierte Schlechtmacherei abgetan. Lassen Sie mich zu diesem Zweck ein Beispiel aus der Praxis geben. In einem Bericht, den die Bundeswehr über das DPM drehte, habe ich darauf hingewiesen, dass die deutschen Panzer nicht unbedingt die technisch gesehen fortschrittlichsten Fahrzeuge des Krieges waren. Als Beispiel zog ich den Sherman heran, der gerade, wenn es um den Tiger geht, immer wieder als  Hohn- und Spottobjekt herangezogen wird. Man kann schon über den Vergleich an sich diskutieren, aber das würde hier zu weit führen.

Der Punkt, der mir wichtig war, war, dass die Shermans die ersten massenweise produzierten Panzer mit einachsig stabilisierter Kanone waren – eine Eigenschaft, die später Standard wurde. Darüber hinaus lösten die Ingenieure das Problem der mangelnden Durchschlagkraft der Kanone mit einem komplex konstruierten Unterkalibergeschoss, das dem Sherman eine Penetrationskraft verlieh, die an das der 8,8-cm-Kanone heranreichte. Beides zusammengenommen zeigt, dass der Sherman durchaus sehr fortschrittliche Aspekte an sich hatte – bei allen spezifischen Nachteilen, die auch dieses Modell hatte.

Deutsche Panzer hatten hingegen keine Stabilisierung und die normale Reaktion auf mangelnde Durchschlagkraft eines Panzers war eine Kalibervergrößerung oder eine Rohrverlängerung – mithin ein einfaches „Mehr“ des bewährten. Natürlich kann man über diesen Vergleich trefflich diskutieren; ich bin mir auch sicher, dass ich das gleich beim Sekt auch müssen werde.  Aber das ist auch völlig in Ordnung. Diskussion gehört zu einem Museum. Zu so einer Diskussion sollte der Vergleich ja auch anregen. Es ging nicht darum, nun den Sherman undifferenziert zu verherrlichen. Es ging um eine Anregung für eine andere Betrachtungsweise.

Die Reaktionen der Tiger-Fans im Internet auf meine Anregung waren jedoch völlig anders geartet. Beleidigungen, Spott und Hohn, Ärger und Wut – das war der eindeutige Tenor von fast 150 Kommentaren. Nicht die sachliche Diskussion war der Grundton, sondern die Empörung. Die Hinterfragung des Tigers als Wunderpanzer wurde geradezu als persönliche Beleidigung empfunden.

Eine  derartig intensive Verehrung des Tigers erfordert einige geistige Verrenkungen. Sie erfordert nämlich die Bereitschaft, historische Fakten oftmals nur halb wahrzunehmen. Beispielsweise wird der berühmte Einsatz von Michael Wittmann bei Villers-Bocage wieder und wieder als Beweis für die unfassbar überlegene Technik des Tigers angeführt. Die Tatsache, dass wenige Stunden später und noch im selben taktischen Kontext 9 Tiger Villers-Bocage selbst zurückerobern sollten und von der britischen Abwehr binnen kürzester Zeit 8 vernichtet oder ausgeschaltet wurden – diese Episode wird dabei nie erwähnt.

Die Tatsache, dass die Tigerabteilungen, je nach Rechnung, eine Vernichtungsquote von teilweise über 12 zu 1 hatten, wird immer wieder als Beleg für die überlegene Technik des Tigers angeführt. Die Tatsache, dass während des Erreichens dieser Quote letztendlich alle Tiger auf die eine oder andere Art zerstört oder verloren wurden und diese Quote keine strategischen Unterschied für den Kriegsverlauf machte, wird dabei nie erwähnt.

Die 8,8-cm-Kanone wird immer wieder als technisches Meisterwerk bezeichnet. Ob ein mehr an Kaliber und Kaliberlängen wirklich eine originäre Meisterleistung sind, während andernorts Unterkalibergeschosse, konische Rohre und andere Lösungen entwickelt wurden, kann diskutiert werden.

Die Liste ließe sich noch weiter führen, aber das würde erneut den Rahmen sprengen. Wichtig ist das immer gleiche Prinzip: Es wird nur die positive Hälfte eines Aspektes berücksichtigt. Dieses Phänomen ist für Historiker irritierend. Niemand käme auf die Idee, von den schweren Rüstungen des ausgehenden Mittelalters NUR zu sagen, sie hätten eine gute Schutzwirkung gehabt und seien militärtechnisch brillant gewesen. Jedem läge auf der Zunge, auf ihr Gewicht und ihre Einschränkung der Beweglichkeit hinzuweisen. Niemand käme auf die Idee zu sagen, dass der Angriff der Römer bei Cannae ein Musterbeispiel für erfolgreiches, aggressives Vorgehen und eine Meisterleistung römischer Kriegskunst gewesen. Jeder würde die zweite Phase, die katastrophale Vernichtung der Legionen, erwähnen.

Geschichtswissenschaft betreiben, heißt Informationen sammeln und abwägen, Sichtweisen sammeln und abwägen, differenzieren, kritisieren, analysieren. GERADE beim Tiger ist dies sehr vielversprechend. WAS der Tiger historisch war, ist nämlich trotz des breiten Konsenses seiner Fans oft noch völlig ungeklärt.

So werden sie in unzähligen Büchern die Aussage finden, dass der Tiger untermotorisiert und daher sehr schwerfällig gewesen sei. Diese Aussage scheint erst einmal plausibel. Wir sehen einen 56t-Panzer, der enorm bullig und schwer ist, ausgestattet mit einer Maschine, die „nur“ 700 PS leistet. Diese Einschränkung des Wunderpanzers scheint sogar seinen Fans hinnehmbar. Es ist „verzeihbar“, dass eine so mächtige Waffenplattform in der Mobilität eine Schwäche auswies. Aber: Eine Prüfung dieser Erzählung erweist, dass sie vermutlich falsch ist. Der fahrfähige Tiger in England wird dort viel bewegt und mit den anderen Modellen dieser Zeit praktisch verglichen.  Die Kollegen des Tank Museum kommen zu dem Schluss, dass der Tiger keineswegs untermotorisiert war. Ihre Versuche zeigen, dass das Fahrzeug so mobil und schnell ist, wie die anderen deutschen Fahrzeuge dieser Zeit.

Sie sehen: Kritische Analyse heißt nicht automatisch schlechtmachen.  Sie ist ergebnisoffen. Sie kann sogar zu dem Ergebnis führen, dass ein breit akzeptierter Makel am Wunderpanzer entkräftet wird.

Das Deutsche Panzermuseum muss sich im Umgang mit dem Tiger dieser kritischen Analyse verpflichten. Wir müssen das Gerät so objektiv wie möglich betrachten. Wir müssen es in historische Kontext einordnen. Wir dürfen uns aber NICHT von den Gefühlsaufwallungen der Anhänger dieser Maschine einschüchtern lassen. Wir dürfen nicht verkürzten Aussagen folgen, nicht Mythen und Legenden weitertragen. Der Tiger ist ein Fahrzeug das wir ausstellen – ebenso kritisch und leidenschaftslos wie alle anderen Fahrzeuge.

Lassen Sie mich schließen mit einem Zitat des leitenden Entwickler des Tiger, Ingenieur Aders: „Noch im September oder Oktober 1942 wurde der Panzerkampfwagen Tiger Ausf. E von maßgebender Stelle ein >lahmer Karren< genannt und der von Krupp nach reiflicher Überlegung zylindrisch geformte Turm mit einer Konservendose verglichen. Dazu gab ein erster verkehrter Einsatz Veranlassung. Nach einigen Monaten setzte zur Überraschung aller Beteiligten jene Verherrlichung in der Presse ein, die uns ebenso unangenehm berühren mußte in ihren Übertreibungen, wie die frühere Geringschätzung.“

Lassen Sie uns diese nüchterne und ausgewogene Geisteshaltung der Aussage als Basis nehmen für unsere Gespräche, die wir nun bei einer kleinen Erfrischung haben werden.

Vielen Dank.“

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Yin-Tiger und Yang-Tiger

  1. Da ist sie ja, die angekündigte Rede auf die ich schon recht gespannt war. Gute Lektüre. Es muss wohl recht schwierig sein und einer Sisyphusarbeit gleichen den wenig kritischen Tiger-„Fans“ mit einer objektiven Betrachtungsweise zu begegnen.

    Was mich als technikaffiner Mensch und aus reiner Neugierde heraus interessieren würde: Welches ist das Ihrer Meinung nach „beste“ Panzermodell, welches im zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde? Welcher deutsche Panzer stellt Ihrer Meinung nach den technischen Höhepunkt dar? Ist es der PzKpfw IV, der in großen Stückzahlen produziert werden konnte und sich als flexible Waffenplattform herausgestellt hat? Ist es der Panther, der eine recht gelungene Symbiose aus Panzerung, Feuerkraft und Bewaffnung darstellt? Oder ist es ein Sherman, der seines Zeichens ebenfalls auf viele Entwicklungsstufen und eine den Umständen angemessene Bewaffnung zurückgreifen konnte und zudem noch mit einigen pfiffigen Tricks, wie dem flott auswechselbaren Getriebe aufwarten konnte? Oder ist es ein T-34 mit seiner wegweisenden Formgebung? Oder doch was ganz anderes? („Der Königstiger ist ein Kackpanzer“ – gut, dass Sie den nicht nennen werden weiß ich)

    Ich weiß, die Kommentarsektion eines Blogs ist kaum der richtige Ort für eine solch simple Frage, die sehr umfangreich beantwortet werden kann. Über ein ein oder zwei antwortende Sätze würde ich mich trotzdem sehr freuen (Und Munster ist leider so weit weg 😦 )

    Mit freundlichen Grüßen

    • Bob

      Der M3 Lee soll ja auch sehr gut gewesen sein, hab ich gehört.

    • Ich finde die Kategorie des „besten“ Panzers einfach zu unpräzise. Die Bewertung eines Panzers hängt von unfassbar vielen Faktoren ab: Feuerkraft, Mobilität und Panzerschutz – dieser Dreisatz ist ein netter Start, aber mehr auch nicht. Zielerfassung, Blickfeld, Kommunikation, Spritverbauch, Arbeitsbedingungen im Panzer (Hitze, Lärm, Zugriff auf Mun, interne Kommunikation etc.) , Verständlichkeit und Bedienbarkeit des Waffensystems sind die nächsten unmittelbaren Faktoren. Weiter geht die wilde Fahrt zu den Zuarbeitern vor Ort: Wartungsaufwand, Logistikaufwand, Störanfälligkeit, Reparaturmöglichkeiten (durch Besatzung, durch Spezialisten, frontnah, frontfern) sind die nächsten Faktoren. Und da wir grad bei derlei unsexy Faktoren sind: Preis, Produktionsaufwand und -dauer, Verbrauch von Ressourcen allgemein, Abhängigkeit von Spezialressourcen und so weiter.

      Das sind jetzt aus der hohlen Hand fast 30 Faktoren, die verglichen werden müssen. In einer ruhigen Minute kommt man noch auf viel, viel mehr. (Irgendwann mach ich das mal.) Und dabei ist der wichtigste Faktor noch nicht mal angeschnitten.

      WOFÜR wurde der Panzer gebaut? Beispiel: Ist der Sherman ein guter Kampfpanzer gewesen? Lange Zeit weiß Gott nicht – aber das sollte er ja auch nie sein. Der Tiger sollte auch nie ein Kampfpanzer sein, hat diese Rolle aber gut ausgefüllt. Sehr gut, aber das war auch den militärischen Umständen geschuldet. Im Rahmen strategischer und operativer Defensive und taktischer Offensive war seine Performance gut; im Rahmen operativer Offensive wie in Frankreich 1940 wäre er weiterhin als „lahmer Karren“ verlacht worden.

      Wenn man fragt: Was ist das beste Auto? Ein Porsche Carrera, ein Kieslaster oder ein Schulbus, sagen die meisten Leute intuitiv „Der Porsche“. Das gilt aber nur, bis man mal 10 t Kies oder eine Schulklasse befördern will.

      Gleiches gilt für Panzer.

  2. Mio

    […]
    während andernorts Unterkalibergeschosse, konische Rohre und andere Lösungen entwickelt wurden
    […]
    Deutschland hatte durchaus Konische Rohre entwickelt/ Unterkalibergeschosse im Einsatz(siehe z.b. 2,8cm Schwere Panzerbüchse), allerdings braucht man dazu die entsprechende Menge an diversen Stoffen (unter anderem Wolfram und seine Carbide).
    Und die hatte das Deutsche Reich nun einmal nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, daher ist der Konventionelle Ansatz der Kanonen meiner Meinung nach das einzig Sinnvolle.

    • Klar hatte das Deutsche Reich konische Rohre entwickelt – auf die bezog ich mich. Ich wollte ein billiges „die Alliierten ham alles besser gemacht!“ vermeiden, das wäre albern. Mir ging es darum zu zeigen, dass es Alternativen zu einem einfachen „Mehr“ gab. Der Rohstofffaktor ist dabei ein ausgezeichneter Einwand, den die Zeitgenossen so auch gebracht haben – und den ich überhaupt nicht bestreite. Ich habe nämlich nicht betonen wollen, dass die 8,8 eine dumme Wahl war (wobei der Logistiker in mir das schon sagt), sondern dass sie eine sehr konservative Wahl war – dass sie systeminhärent folgerichtig war, ist dabei AUCH wahr.

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