Erntezeit! Oder: Wer lange nervt, wird endlich fertig.

In den letzten Wochen habe ich eigentlich nur eines gemacht: Das Konzept für das neue Panzermuseum ausformuliert: Umbau, Umstrukturierung, Neugestaltung.

konzep

Nun gilt natürlich, dass so ein Unternehmen eine Teamleistung ist: Die Kollegen von der Stadt machen die Verwaltung und den Bau für uns; die Bundeswehr macht alles, was mit den Fahrzeugen zu tun hat; alle Mitarbeiter im Museum unterstützen an allen Fronten. All das gilt für all die letzten Jahre, die uns als Team an diesen Punkt geführt haben. Aber ich gebe auch zu, dass ich momentan einfach ausgesprochen stolz und zufrieden bin und mit einer beruflichen Vorfreude in die Zukunft blicke, wie schon lange … wie noch nie eigentlich. Ich nehme mir deshalb heute einfach mal die Freiheit, ein paar Zeilen egozentrisch zu schreiben.

Ich bin seit Ende 2008 im Panzermuseum – anfangs auf einer halben Stelle als wissenschaftlicher Leiter, was damals wirklich noch Babyschritte bedeutet hat. Einige neue Tafeln für ein paar hundert Euro waren ein großer Schritt, manchmal gab es sogar Streit über diese Kleinigkeiten. Ein Interview mit dem Lokalblatt war ein Ereignis und jedermann und sein Hund dachten, sie könnten meine Arbeit bewerten oder gar diktieren. Ich hatte eine vage Vision, wo das Museum hinsollte, aber die Hindernisse erschienen riesig.

Heute sind wir bereits weiter, als ich in der Vision auch nur zu hoffen wagte. Mittlerweile sind die Besucherzahlen um fast 50% gestiegen; es laufen Events mit fünfstelligen Besucherzahlen, ohne das wir ins Schwitzen geraten; das Museum ist regelmäßig national und international in Radio, TV und Fernsehen; das Museum referiert international auf Konferenzen und publiziert wissenschaftlich; in wenigen Wochen gründen wir bei uns im Haus den Weltverband der Panzermuseen und unser Facebook ist einer der besten Auftritte von Museen Europas.

Jahrelang habe ich in hundert kleinen Einzelschritten, mit hundert kleinen Projekten und tausend Gesprächen Überzeugungsarbeit geleistet (nicht selten in Form eines stupiden Abnutzungskrieges) und die Rahmenbedingungen geschaffen, um das Museum zu dem zu machen, was es heute ist: Ein Haus, das allseitig für seine Arbeit anerkannt ist: Bei den politischen Fraktionen, bei den Trägern, in der Presse und der Museumsszene. Und damit auch ein Haus, dessen autonomes Entscheiden und Handeln (im Rahmen seiner Trägerkonstruktion natürlich) niemand mehr in Frage stellt. Während früher jedermann glaubte, uns in die Arbeit reinreden zu dürfen und zu können, hat sich das heute praktisch vollkommen erledigt.

Eigentlich könnte ich mich zurücklehnen und das Museum auf diesem mittleren Level einfach laufen lassen. Ich müsste nur soviel Arbeit investieren, dass ausreichend Erneuerung stattfindet, um die Besucherzahlen nicht zurückgehen zu lassen. Das Museum ist bereits ein wichtiger Akteur der deutschen Geschichtskultur; wir machen etwas mit den Köpfen vieler unserer hunderttausend Besucher pro Jahr. Das ist bereits jetzt viel mehr, als ein Großteil unserer 6.500 Konkurrenten von sich behaupten kann.

Aber nun, nach sieben Jahren mühseliger Aussaat, ist die Gelegenheit zur Ernte zu verlockend. Die Rahmenbedingungen sind da, um den ganz großen Wurf zu machen: Die komplette Neugestaltung des Museums in fast allen Facetten; die Transformation von der exzellenten Schausammlung zum vollwertigen ICOM-Museum; den Schritt von der Improvisation als internem Dauerzustand hin zur strukturierten Organisation.

Vor drei Jahren haben wir dazu schon ein Basiskonzept geschrieben, das noch vage war, aber in der Sache schon vollkommen richtig. Doch danach ging es nicht mehr richtig weiter; das Projekt kam nicht in Schwung. Ich habe mich darüber oft gewundert, aber heute weiß ich, dass die kritische Masse noch nicht erreicht war; die richtige Durchschlagskraft noch nicht erreicht, um mal im Thema zu bleiben. Nun ist dieser Punkt erreicht, und seit einigen wenigen Monaten geht das Ganze mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Ich freue mich wie ein kleines Kind darüber.

„Gleichzeitig ist der Druck, der mit der Erneuerung einer Dauerausstellung einhergeht, auf die Verantwortlichen Museumsleute von vielen Seiten groß. Viele Wissenschaftler/innen sind nur ein Mal in der ihrer beruflichen Laufbahn in der Situation, einer Dauerausstellung zu realisieren. Umso schwerer wiegt, dass gerade ständige Ausstellungen stark im Fokus der Fachöffentlichkeit und Kollegenschaft, der Medien, der Politik, der Sponsoren und schließlich des Publikums stehen, die sehr unterschiedliche Erwartungen an eine Ausstellung herantragen.“ (1)

Vor Jahren hätte mich dieses Zitat noch verunsichert. Heute nicht mehr. Die Entwicklung, die das Haus an den Punkt gebracht hat, an dem es heute steht, wird uns wie auf Schienen weiter in die richtige Richtung tragen. Ein Scheitern als Option erscheint mir absurd. Ich freue mich darauf, nicht zuletzt, sondern vor allem, wegen des Teams, mit dem ich die Arbeit angehen darf. Es wird hart, aber (und so schließt sich der Kreis wieder zum Team) es wird auch ein Vergnügen, diese Aufgabe zu wuppen mit den Kollegen aus dem Haus und in der Stadtverwaltung und mit den Kameraden von der Bundeswehr.

(1) Habsburg-Lothringen. Bettina: Dauerausstellungen. Erbe und Alltag, in: dies.: Dauerausstellungen. Schlaglichter auf ein Format. Bielefeld 2012. S.9-20. S.16.

 

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