Social Media für Museen – ganz oder gar nicht?

Der österreichische Standard hat folgenden Artikel zur titelgebenden Frage gepostet: Klickenbittedanke

Ich  möchte das mal eben kommentieren: Der Artikel will in die richtige Richtung (mehr Social Media an den Museen) und sagt dazu auch einige richtige Sachen, vor allem das „Hintergründiges zieht an“.

Aber in Summe wird er vermutlich das Gegenteil von dem bewirken, was er möchte. Der Satz, dass Social Media nur gut gehe, wenn man Geld in die Hand nehme, wird den diversen Trägern schon die Nackenhaare hochgehen lasse, und bei der Zahl von 16 Mitarbeitern gehen die Schotten ganz zu. Klar, Moma und Louvre sind (im besten Sinne) absurde Einzelfälle durch ihre Likes, aber das interessiert dann schon nicht mehr. Letztlich stimmt der Artikel wieder nur in den immer gleichen, alten Chor ein: „Das muss man mit Personal und Geld machen, sonst wird das nix.“ Und dieses Motto bringt in 90% der Fälle dann eben kein Personal und Geld, sondern ein Abwinken: „Dann eben gar nicht.“

Und zu einem gewissen Grad verstehe ich unsere Träger da vollkommen. Denn Social Media ist keine Hexerei, die gleich die besten gusseisernen Kessel, schwarze Biowachskerzen und Alraune aus Fair Trade Bioanbau braucht; anfangs reicht auch ein handelsüblicher Topf und Oregano aus dem Streuer; oder deutlicher gesagt: Man kann SEHR viel wuppen, wenn man das Thema mit Enthusiasmus, Kreativität und ein wenig schnell angelesenem Fachwissen angeht.

Diese häretische Aussage kann ich mir erlauben, denn das Panzermuseum hat über 58.000 Facebookfans bei etwas über 100.000 Besuchern und reiht sich damit ganz oben in allen Vergleichslisten ein. Und nicht nur das; die Reaktionsquoten auf unsere Beiträge sind exzellent, wenn wir das wollen. (Aus didaktischen Gründen posten wir auch andere Sachen, aber das führt zu weit.) Und wie wird dieser Vorzeigeauftritt betreut? Von 2 Mitarbeitern im Nebennebenamt. Wir haben momentan noch deutlich dringendere Personalprobleme als eine/n Onlineredakteur/in. Jetzt erst bekommen wir eine/n Kurator/in, in nacher Zukunft hoffentlich eine/n Museumspädagog(i/e)n. Aber dann? Dann können wir mal über eine Onlineredakation nachdenken, aber dann haben wir auch Argumente: Dann haben wir nämlich etwas nachweisbar Produktives gestartet und wachsen lassen (empirische Daten sammeln nicht vergessen!), dass eine Größe erreicht hat, die eine nebenamtliche Betreuung dann wirklich nicht mehr zulässt – aber zu diesem Zeitpunkt wird Social Media schon lange völlig unverzichtbar für unseren Betrieb geworden sein. DANN sehe ich auch eine Chance, dass unsere Träger das einsehen.

Momentan wird sich noch viel zu sehr hinter dem Credo versteckt, dass sich Social Media ja nicht lohne, wenn man es nicht sofort groß und professionell aufzöge – bei Trägern aus Geldsorgen und bei vielen von uns aus schlichter Faulheit – machen wir uns da mal nix vor.

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