5 JAHRE FARBANSCHLAG IM DEUTSCHEN PANZERMUSEUM  – DANKE, LIEBE AUTONOME! ❤

Im Februar 2008 kettete sich Hanna Poddig in Nordfriesland an Bahngleise, um gegen einen Bundeswehrtransport zu demonstrieren. Vom Gericht wurde sie deswegen zu einer Geldstraße verurteilt; Frau Poddig entschied sich jedoch stattdessen für eine Haftstrafe.  Diese Haftstrafe trat sie am 15. März 2012 an.

In der Nacht vom 15. auf den 16. März hielt irgendwann zwischen 01:00 und Sonnenaufgang ein älterer VW-Bus dem Deutschen Panzermuseum.  Ihm entstiegen mehrere Mitglieder der „Rosa Tank Gang“, einer (nach Selbstaussage) „autonomen Gruppe“. Vermutlich mithilfe einer Kübelspritze übergossen sie den auf dem Freigelände stehenden und damit öffentlich zugänglichen Panzer mit etlichen Litern rosa Farbe. Zudem wurden Farbbeutel über den Zaun in den Eingangsbereich geschleudert.

Farbkomplett

Die Aktion war laut einem digitalen Bekennerschreiben, das bis heute online ist, gerichtet „gegen die kriegerischen und wirtschaftlich motivierten Einsätze der Bundeswehr im Ausland“  und eben auch „gegen die Inhaftierung der Antimilitaristin Hanna Poddig, die am Donnerstag ihre 90-tägige Haft in der JVA Frankfurt antrat.“ So schließt sich der Kreis.

Und warum nun das Panzermuseum? „Das Panzermuseum wurde Ziel unserer Aktion, da es seit Jahren für eben diese verherrlichenden Darstellungen von Krieg, Verbrechen und Mord bekannt ist. Es dient ausschließlich der Propaganda. Insbesondere Kindern und Jugendlichen wird hier ein total verklärtes Bild von Militär und Krieg vermittelt.“ Oder wie es am Ende noch einmal eloquent formuliert wurde: „Krieg doof, Bundeswehr doof, Knäste doof – Hanna freilassen“.

Das DPM hat sich in den letzten Jahren, so hoffen wir, erwiesenermaßen als sowohl selbstkritisch als auch als offen für Kritik von außen gezeigt. Wir suchen stets den Dialog mit Kritikerinnen und Kritikern und nehmen Sorgen und Beschwerden ernst; wir sind selber stetig auf der Suche nach Schwach- und Fehlstellen in unserer Arbeit und bemühen uns aktiv, diese abzustellen, um immer besser zu werden. Wir diskutieren mit Links, Rechts, Oben, Unten, Alt, Jung und allen anderen auch.

Die Kritik der Gruppe war absurd dünn und völlig überzogen, das Mittel der Sachbeschädigung ohnehin indiskutabel. Dennoch haben wir auch damals digital das kritische Gespräch gesucht – und keine Antwort erhalten. Kein Wunder, eigentlich, denn genau in jener Zeit hat das DPM begonnen, kritische (und selbstkritische) Töne in seiner Arbeit prominent zu machen – was den Anschlag nun vollends absurd machte. Es gab auch nie wieder Rosa-Tank-Gang-Aktionen gegen andere Panzer, obwohl die Bundeswehr weiter im Einsatz stand; obwohl die Rüstungsexporte weitergingen.

Letztlich drängt sich mit diesen Faktoren  der Verdacht auf, dass es eine impulsive, vor allem persönliche motivierte Aktion war, die das Panzermuseum nur aus einem einzigen Grund getroffen hat: Dass nämlich der Panzer leicht erreichbar war. Um Panzer mit Farbe zu übergießen, muss man im Regelfall nämlich in Kasernen einbrechen – und das bedeutet Zäune, Stacheldraht, Streifen, Schusswaffengebrauch und harte, strafrechtliche Konsequenzen. Dafür reichte die antimilitaristische Weltretter-Motivation dann wohl doch nicht – weder vorher noch nachher. Widerstand ja – solange man nicht auf Widerstand trifft.

Rückblickend können wir uns dennoch freuen. Über den Farbanschlag berichteten Spiegel, Stern, Morgenpost und viele andere große Blätter digital – und das führte zu einem enormen Anstieg unserer Facebookuser. Und war nicht nur kurzfristig, sondern es war eine langfristige Trendwende. SEIT dem Farbanschlag gehen unsere Facebook-Zahlen steil nach oben.

Vielen Dank, liebe Rosa Tank Gang. Eure rosa Farbe war ein großartiger Dünger, um tausende von Menschen für die Geschichte der Panzerei zu interessieren. So eine Werbeaktion hätten wir nie bezahlen können.

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