„Muss man doch mal sagen dürfen“ funktioniert in zwei Richtungen – das Ende der sozialen Samthandschuhe?

Museen und Facebook sind ein schwieriges Thema. Für die allermeisten Museen ist die Welt der Social Media grundsätzlich bedrohlich, was meines Erachtens in vielen Fällen etwas damit zu tun hat, den eigenen Status als Autorität auf dem eigenen Fachgebiet potentiell in Frage gestellt zu sehen. Um diese Gefahr abzuwenden, versteckt man sich dann hinter Allgemeinplätzen, wie aufwändig und komplex Facebook-Nutzung als Institution sei, und dass man doch dafür Profis bräuchte, und wer hätte das Geld schon etc.

Ich halte das für einen grundfalschen Ansatz. Facebook ist ein mächtiges Werkzeug, dass auch für ein Haus mit kleinstem Stab enorme Möglichkeiten bietet: Zur Steuerung von Kommunikation, zum Community-building und zum Kennenlernen der eigenen Klientel.

Nun ist Facebook schon so kein leichtes Feld, und wenn man dann noch mit 50.000 Followern eine Feld wie deutsche Militärgeschichte bearbeitet, kommen da schon teils unglaubliche Postings zustande. Die sind teilweise so haarsträubend, dass man nicht weiß, ob man es mit ernsthaft kranken Aluhüten, randständigen Überzeugungstätern, schlichten Gemütern, Vollblutcholerikern oder professionellen Trollen zu tun hat.

Jahrelang haben wir im Umgang mit Postings, die normalen Menschen die Kinnlade runterklappen lassen, die übliche Strategie verfolgt: Sehr sachliches, stets höfliches Antworten in Gebetsmühlenmanier. Auf keinen Fall sollte die eigene Autorität und Souveränität dadurch angekratzt werden, dass man sich in die Niederungen der FlameWars mit Überzeugungstätern, Profitrollen oder Verrückten begibt. Dieser Schlamm, so die Idee, konnte einen nur beflecken und letztlich verschlucken, ohne dass etwas damit zu gewinnen sei.

Das war logisch. Aber es war weiß Gott schwer, sich immer und immer wieder zu beherrschen und zu bändigen; gerade wenn man wie ich im sozialen Stahlbad des frühen Internets virtuell groß geworden ist.

Das Resultat war wenigstens, dass die Logik gegriffen hat. Unser Ruf blieb unbefleckt.

Aber einerseits flogen uns durch diese kühl-distanzierte Art die Herzen (aka Likes) nicht gerade zu und zweitens zehrt so ein Grabenkrieg mit dem Wahnsinn auch an den Nerven der Mitarbeiter.

Und so war die beginnende Trendwende im Netz eine Wohltat. Erst die Welt, dann die Bundesregierung und einige andere folgten nun einer neuen Strategie: Souveränität und Autorität durch clevere und geistreiche Ironie. (Details: http://www.taz.de/!152266/) Davon ausgehend, dass man ab einem gewissen Punkt ohnehin gegen Wände argumentiert, kann man sich die Arbeit auch sparen und solche Postings lieber als Sprungbrett für witzige eigene Postings nutzen, die die User unterhalten, gleichzeitig Souveränität zeigen (das ist wichtig) und so in der breiten Masse der Nutzer einen positiven Außenwirkungseffekt haben.

Halb zog es mich, halb sank ich hin: Zum einen wollte ich sowas schon lange machen; zum anderen waren solche Gewährsinstitutionen eine gute Versicherung, es zu versuchen.

Es klappt. Gleich die erste flapsige Antwort begann, als Screenshot durchs Netz zu wandern, um schlussendlich dann an UNSERER Chronik von Usern gepostet zu werden.

Was man auf dem Bild noch nicht sieht: Es akkumulierten sich wirklich viele Likes; viel, viel mehr, als wir durch unsere ernsten Antworten bekommen hatte. Bei anderen Gelegenheiten zeigte sich das dann als stabiles Phänomen: Wo wir früher für lange, ernste Antworten vielleicht 10-15 Likes bekommen haben, erfahren wir nun Unterstützung bis hin zu 50 Likes.

So erfreute sich die ir0nische Bloßstellung eines unerträglichen Schreibstiles nicht nur einiger Beliebtheit bei anderen Usern; der Poster selbst fand es ganz witzig.

Ironie2

Ein anderer User hat sich bein einem Beitrag über Blockupy in Frankfurt dazu verstiegen, den Einsatz von Maschinenkanonen gegen die „Rüben des Packs“, also Gewalt gegen Menschen zu fordern, was von uns grundsätzlich nicht toleriert wird. Er änderte sein Posting in die untenstehende Version und dies wiederum mündete in einen Zensurvorwurf eines zweiten Users gegen uns, den man nur mit Aluhutlogik aufnehmen konnte. Aber das letzte Posting des ursprünglichen Users zeigt, dass Ironie nicht immer weiterhilft. (Die niedrigen Likezahlen erklären sich daraus, dass es eine späte Diskussion in einem Unterthread war.)

Ironei1

Grundsätzlich scheint ein deutlicher Tonfall ohnehin recht beliebt zu sein. Wir reden immer davon, dass Museum Ort der Diskussion und Foren des Meinungsaustausches sein sollten. Das muss mit einer klaren und ausdrücklichen Positionierung des Hauses beginnen. Es kann nicht sein, dass Museen Diskussionen anregen wollen, sich selbst aber hinter windelweichen Phrasen verstecken. Die User sehen das ähnlich. Als wir heute leider zwei Wochen zu spät zur Erinnerung an den 50. Jahrestags der Landung amerikanischer Bodentruppen in Vietnam ein Posting verfassten, ergab sich folgender Dialog:

Ironie3

Die neue Strategie ist ebenfalls anstrengend. Während sich der alte Ansatz durch Monotonie, aber große Einfachheit im Alltag auszeichnete, muss beim neuen Ansatz stets geprüft werden, ob a) eine flapsige Antwort wirklich angemessen ist (man will ja nicht rundum beleidigend wirken) und b) sich überlegen, wie sie witzig und unterhaltsam ausfällt (man will ja nicht grob wirken).

Wir werden sehen, wie das alles weitergeht. Spaß macht es jedenfalls.

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Aktueller Nachtrag: Mal sehen, wie dieses Kopf-an-Kopf-Like-Rennen ausgeht. 😀

Ironie 4

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Sonderausstellung kaput! Lernen durch Schmerzen und Rigips

Sonderausstellungen sind eine Zier für Museen. Sie beweisen die geistige Flexibilität des Hauses, sie belegen den Kontakt in die musealen Netzwerke und sie bieten den Besuchern Anregung und geistiges Futter, ganz besonders den Stammbesuchern. Sie ziehen im Idealfall sogar zusätzliches Publikum an und erhöhen die Medienpräsenz des jeweiligen Museums.

Und was mache ich? Ich arbeite momentan darauf hin, Sonderausstellungen im Panzermuseum abzuschaffen.

Das DPM hat eine schöne Tradition, was Sonderausstellungen angeht. Im letzten Jahrzehnt gab es eine ganze Reihe spannender Ausstellungen, die von naheliegenden und erwartbaren Themen („Das Maschinengewehr“, „Blitzkrieg 1940“) über scheinbare Randbereiche des Museumsthemas („Kriegsgefangenschaft“, „War Toys“, „Wehrmachtjustiz“) bis hin zu Themen, deren Verbindung zum Panzer man erst aktiv herbeidenken musste. (Pop-art-Gemälde, abstrakte Kunst, Fotografien zivilen Ungehorsams).

Es war spannend zu beobachten, wie die Besucher reagiert haben, wie sie rezipiert oder ignoriert haben, und wie sie gelegentlich diskutiert haben. Letzteres leider viel zu gelegentlich: Sogar Ausstellungen, die gezielt als Reizthemen konzipiert waren wie meine „Blitzkrieg“-Ausstellung, wurden kaum öffentlich diskutiert – von Diskussionsbedarf in Richtung des Museums ganz zu schweigen.

Insgesamt ist mein Verhältnis zu unserem Sonderausstellungsbetrieb daher etwas ambivalent: Einerseits finde ich die ganze Sache spannend und aufregend, andererseits hält aber ein ums andere Mal keine Ausstellung, was sie verspricht.

Sei dem, wie dem sei: Ich habe jetzt offiziell den Antrag gestellt, den Sonderausstellungsbetrieb zu beenden.

Nicht weil die Reaktionen mich enttäuschen. Nicht weil es Arbeit und gelegentlich auch wirklich Stress bedeutet. Nicht weil es Geld kostet.

Der Grund ist, dass dem Museum der Platz ausgeht. Die physischen Manifestationen unserer erfolgreichen Arbeit haben jede einzelne Nische, jeden Abstellplatz, jede Kammer volllaufen lassen. Weil wir mittlerweile zunehmend neues Material anschaffen können, aber auch müssen, um unsere Arbeit zu bewältigen(Besucherleitsystem, Beschilderung, Pavillone, zehntausende Flyer etc) und weil dem Shop immer größere Warenumschläge gelingen, sind alle ursprünglich geplanten Lagerkapazitäten vollgelaufen. Sogar der Praktikantenraum und die Nissenhütte sind mittlerweile Lagerhallen geworden, und es reicht immer noch nicht: Das Panzermuseum hat nicht null Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung, es ist bereits im negativen Bereich: Weil Werkzeuge unter Panzern versteckt und Kartons hinter Vitrinen versteckt werden müssen, sind wir mittlerweile im NEGATIVEN Bereich angekommen.

Das beklage ich nun schon im dritten Jahr, aber nichts passiert. Aber Worte sind Schall und Rauch und nichts ist langweiliger als das wiederholte Wort. Niemanden unserer Träger und Vorgesetzten hat diese Lage wirklich beeindruckt, scheint es. Warum auch; solange wir immer Lösungen gefunden haben, war ja alles okay.

Nun wird es also Zeit, durch Taten zu überzeugen.

Der Sonderausstellungsbereich soll, wenn ich mit meinen Ideen durchdringe, mit einer großen Rigipswand versiegelt werden. Die dahinter gewonnene Fläche soll als Lagerbereich für Shop, Museum und Haustechnik dienen.

So einfach ist das ™.

Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem die Infrastrukturen unseren Erfolg einschnüren und stagnieren lassen – in mehrfacher Hinsicht. Und das muss ich jetzt irgendwie an die Außenwelt kommunizieren. Hoffen wir, dass der Wegfall der Sonderausstellungen denjenigen unter den Entscheidungsträgern, die dem Kulturbetrieb nicht nur einem Lippenbekenntnis nach zugewandt sind, so wehtut, dass über konkrete Lösungen gesprochen werden kann.

Lasst das Verputzen beginnen.

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Guess who’s back, baby.

Nach ca. einem halben Jahr Pause geht nun das Bloggen wieder los. Warum gerade jetzt?

In der Zeit seit April war meine Arbeitswelt vor allem von zeitkritischem Alltagsgeschäft geprägt. Das war keineswegs langweilig, sondern stellenweise ganz spannend, denn in diese Kategorie fällt beispielsweise die Organisation von Stahl auf der Heide. Dieses Event war ein großer Erfolg, sowohl quantitativ (12.500+ Besucher) als auch qualitativ. Aber derlei Arbeit läßt nur wenig Zeit für Reflexionen und bietet noch weniger Anstöße für solche.

Hier also als Nachtrag für die ganze Zeit zusammenfassend ein kleines Video, das über Stahl auf der Heide und das Haus allgemein gemacht wurde:

Wer sich wundert, dass ich da so gerupft aussehe: Das Ding wurde nach 10h Event einfach mal zwischen Tür und Angel gedreht.

Ich habe den vergangenen Monaten auch inhaltlich gearbeitet, aber der Tritt der Arbeitsmühle war auch dabei das dominantere Element. So wurden zwei Ausstellungsteile entwickelt (einer fertig, einer in Produktion momentan), aber bei beiden war wieder die Hektik um die Vollendung prägend. Also keine Textergüsse, aber demnächst werde ich nachholend etwas dazu schreiben. Jetzt sieht die Sache anders aus. Die Hochzeit der Saison ist vorbei und langsam ergibt sich wieder Raum für inhaltliches Arbeiten – wenn auch viel weniger als eigentlich nötig, aber das ist ein anderes Thema. Kurz gesagt: Ich habe jetzt erst wieder das Gefühl, etwas zu sagen zu haben. In den nächsten Monaten stehen fünf Projekte an, die ich bloggend begleiten will, um meine Gedanken damit zu ordnen und konstruktives Feedback on the fly zu erhalten.

Projekt 1: Vertiefungsbereich Kursk
Der Vertiefungsbereich zur Operation Zitadelle ist mittlerweile etliche Jahre alt und die Forschung schreitet zügig voran. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, ein Konzept für eine mögliche Modernisierung dieses Bereiches zu schreiben. Zwar gibt es weder einen Beschluss dafür noch Mittel aus irgendeinem Topf, aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Also lesen, lesen, lesen, Grobkonzept schreiben, vorstellen, diskutieren – und dann schauen, ob man die Träger und Förderer gewinnen kann.

Projekt 2: Museumsbuch
Der alte Museumsführer war Katalog und Museumsbuch in einem. Das wollte ich aufspalten und den Katalogteil haben wir auch schon neu gefasst und der verkauft sich prima. Allerdings mehren sich nun die Anfragen, wann denn der zweite Teil, also das Museumsbuch, nun nachgeliefert wird. Also mal eben ein Buch schreiben.

Projekt 3: Konzeptentwicklung
Mit nur 7 Monaten Verspätung mach ich mich an die Weiterentwicklung des Umbaukonzepts…

Projekt 4: Theorieentwicklung Gewaltbilder
Ein spannendes Projekt, bei dem es um nicht weniger geht, als die Sichtweise der deutschen Museen auf die Nutzungsmöglichkeiten drastischer Gewaltbilder grundlegend zu verändern. Da will ich jetzt nicht vorgreifen; eventuell halte ich da auch einfach dicht, bis es durchdacht ist.

Projekt 5: Videointerviews mit Veteranen
Das Projekt steht schon seit 3 Jahren auf dem Plan, nun wird es Wirklichkeit: Wir wollen Afghanistan-Veteranen zu Wort kommen lassen und neben Oral-History-Interviews fürs Archiv auch Medienstationen für die Ausstellung herstellen.

 Das ist so der Fahrplan für’s nächste Jahr. Dazu kommt das Tagesgeschäft. Oh my. 😀

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So nicht, Kollege! Also zumindest nicht hier. Und nicht jetzt.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Museen stille Tempel, die ihr Angebot nur an eine ausgewählte Schicht gebildeter Bürger adressierten. Ohne das noch rare Reifezeugnis brauchte man die Hallen überhaupt nicht zu betreten; wollte es auch gar nicht, weil der Tempel keine Angebote machte, sondern Verachtung spüren ließ. Der Wandel des Museums zum Ziel der Massen ist jung: Erst seit den 1970ern gilt das, was uns heute als selbstverständlich erscheint: Dass ein Museum offen sein muss, verständlich sein muss, zugänglich sein muss, kontrovers sein muss.

Und doch stehen diese seltsamen Hybridinstitutionen, die gleichzeitig Bildung und Unterhaltung bedienen müssen, oft seltsam ratlos in der Gegend herum. Denn mit der Öffnung an die Massen einerseits und mit dem Schwinden öffentlicher Mittel andererseits, sind Museen im Zugzwang, zumindest in Teilen ihre Kosten wieder zu erwirtschaften – und das geht massiv eigentlich nur über die Unterhaltungsschiene. Gleichzeitig können sie aber wirklich nicht mit einer mcdonaldisierten Unterhaltungsindustire konkurrieren, weil sie ja immer noch Bildungsorte sind, die sich an lästige Dinge wie Forschungsstände und dergleichen halten müssen.

Was tun?

In der Museumswelt geht der Trend zur Eventisierung. Große Veranstaltungen sollen Besuchermassen punktuell locken, so dass die Jahresbilanz gut aussieht, ohne dass die Dauerausstellung kompromittiert ist. Ein netter Versuch, aber auf Dauer hilft das nicht weiter. Da ich momentan die gesamte Dauerausstellung des Panzermuseums überarbeite und damit nicht weniger tue, als den Kurs für den wichtigsten Wirtschaftsfaktor in dieser Region für die nächste Dekade vorzuschlagen und bei Annahme somit über sein Gedeih und Verderb zu entscheiden, stehe ich genau vor diesen Entscheidungen. Und in Momenten der Entscheidungen stellt sich der Weise Mann auf die Schulter von Giganten oder zumindest von Leuten, die erst (hoffentlich) gedacht haben und dann publizieren durften. Dabei traf ich dann auf folgenden Gedankengang Bernd Holtwicks:

„So wie „Marketing“ in der Betriebswirtschaft bedeutet, das Unternehmen vom Absatz her zu betrachten, bedeutet es in der Museologie, das Museum von den Besuchern her zu definieren.“*

Ein evidenter Ansatz, wenn man, wie der Autor es tat, von historischen Museen und Freilichtmuseen her kommt und denkt. Eine gefährliche Falle, wenn man ein Panzermuseum betreibt. Denn im gleichen Aufsatz sagt der Autor folgendes:

„Die Ergebnisse herkömmlicher Besucherbefragungen eigenen sich offensichtlich nicht als Grundlage einer sinnvollen Handlungsstrategie.“**

Auch wenn diese Aussage in ihrer Absolutheit schwierig ist, hat sie einiges für sich. (Der Autor führt das natürlich differenzierter aus.) Wenn man sie aber mit der ersten Aussage verknüpft, hat ein Panzermuseum ein Problem. Denn das Resultat wäre, die tatsächlich unscharfen und angreifbaren Ergebnisse der Umfrage zu ignorieren und damit den sich langsam im Nebel der Besucherforschung formenden, aber eben noch stummen „Normalbesucher“ mit breitem, historischem Interesse links liegen zu lassen. Stattdessen müsste man in dieser Logik auf die hören, die am lautesten sind. Und diese Gruppe ist in ihren Wünschen und Ansichten dank Social Media und Tagesgeschäft leicht zu definieren und (und das macht die Falle noch gefährlicher) wäre sehr leicht zu befriedigen.

Das Museum müsste einfach nur eine Halle des Heroismus, der Waffenverehrung und des Männlichkeitskultes werden, und die Wiese wäre grün. Es müsste nur die Formsprache der Kriegsausstellungen des frühen 19. Jahrhunderts wieder aufleben lassen, gepaart einer ordentlichen Kelle Patriotismus oder Nationalismus, ergänzt mit einer ordentlichen Dosis Wehrmachtsglorifizierung for good measure. Zudem müsste immer alles rollen, knattern und knallen. Die Kundenorientierung würde ein Verbannen aller „weichen Perspektiven“ gebieten und binnen weniger Wochen hätten wir ein Museum gebaut, das so sehr an den Wünschen dieser Besuchergruppe orientiert ist, dass sie hier vermutlich einziehen würde.

Genau hier ist der Punkt gekommen, an dem die akademische Arroganz der Prä-70er doch wieder eingreifen muss. Ein Disneyland mit Panzerfahren wird das Museum nicht werden. Das Panzermuseum muss seine Besucherbefragungen ernst nehmen und den stummen, aber zahlenmäßig überwältigenden Normalbesucher in den Blick nehmen und ihn mit einem Angebot bedienen, dass allen Standards der Museologie entspricht. Muss facettenreich und multiperspektivisch arbeiten, muss diskurs- und deutungsoffen sein, ein wandelbares und modernes Forum sein.

Das bedeutet Widersprüche, Streit, Zank, Schmerz und Brüche. Aber das tut Wandel meistens. Das Panzermuseum muss den Weg zur museologischen Qualität gehen. Dies widerspricht nur SCHEINBAR den Besucherwünschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich das Museum nach seiner Reform am Markt noch besser, noch erfolgreicher etablieren kann, weil es dann die Wünsche von wesentlich mehr Besuchern erfüllt – die bisher nur noch kaum formuliert werden.

Damit widerspreche ich auch der dritten Kernaussage aus dem Artikel:

„Es wird hier grundsätzlich bezweifelt, dass die museums- und ausstellungstheoretischen Diskussionen einen ernsthaften Beitrag zum (Besucher-)Erfolg der historischen Museen leisten oder geleistet haben, zumal es den Protagonisten der Debatte darum wohl auch gar nicht geht. Ob eine Ausstellung „gut ankommt“ liegt nicht daran, ob sie auf dem neusten Stand der museologischen Debatte ist.“ ***

Die museologische Qualität ist sicher nicht das alleinentscheidende Merkmal; sie ist nicht hinreichend für den Erfolg einer Ausstellung, das ist richtig. Aber sie bleibt notwendig!

* Holtwick, Bernd: „Schaulust und andere niedere Beweggründe. Was lockt Menschen in historische Museen? Oder: Wann machen Museen Spaß?“, in: Hartung, Olaf, Köhr, Katja (Hg.), Geschichte und Geschichtsvermittlung. Festschrift für Karl Heinrich Pohl, Bielefeld 2008, S. 184-198. S.197.

** ebd. S.187.

*** ebd. S.185.

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Krieg der Goldsterne

Ich hatte letzte Woche das Vergnügen, als Referent und Aussteller am Symposium der Panzertruppen teilzunehmen. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe und des Freundeskreises der Panzergrenadiere. Das Ganze ist sehr hochkarätig besetzt mit aktiven und ehemaligen Soldaten, sowie Gästen aus Politik, Industrie und anderen Feldern.  Besonders deutlich wurde die Qualität der Versammlung bei den Militärs: Die gesamte vordere Reihe des 200-Personen-Auditoriums funkelte auf den Schultern einfach oder mehrfach Gold – entweder aktiv oder eben a.D.

Ich hatte dabei die Gelegenheit, in dieser Runde einflussreicher Multiplikatoren ein Referat über den geplanten Umbau des Panzermuseums halten zu können. Der Vortrag lief meines Erachtens nach sehr gut und die Reaktionen waren erfreulich. Es entwickelten sich in den Pausen mehrere gute Gespräche, viel Unterstützung wurde geäußert und einige Missverständnisse und Vorurteile konnten abgebaut werden. Richtig Streit gab es eigentlich nur einmal und umstehende Beobachter attestierten meinem Gegenüber eine gewisse Irrationalität, so dass ich vermutlich nur eine Teilschuld trage.

Spannend war die Veranstaltung für mich vor allem aus kultureller Sicht. In einem Saal voller Generale, Stabsoffizieren und Offizieren i.G. war ich natürlich ein krasser Außenseiter. Sinnigerweise ganz links platziert hatte ich eine Art Beobachterposition inne und es war faszinierend zu sehen, wie die große Gruppe einerseits aus sehr starken Individuen bestand (besonders ab Gold auf der Schulter), aber andererseits die „totale Institution“ den Habitus aller doch auch enorm homogenisiert hat – in Sprache, Körperhaltung, Gesten usw. Das unsere Hintergründe und Umfelder uns alle prägen, ist natürlich keine Frage, aber die Homogenität war faszinierend.

Besonders interessant war für mich die Reaktion des Saales, als einer der Referenten als Dankeschön für seine Arbeit ein Buchgeschenk überreicht bekam: Christopher Clarks „Die Schlafwandler“. Da ging ein befriedigtes Raunen, Ellenbogenstupsen und Nicken durch den Saal; das „Gutes-Buch-Endlich-sagts-mal-einer“ war mit Händen zu greifen – was mich perplex zurückließ, weil Clarks Buch genau das Gegenteil davon ist. Clark fasst nur zusammen, was seit knapp zwei Jahrzehnten hunderte von Historikern als Mainstream referieren und was in meinem Studium schon vor 15 Jahren allgemeine Lehrmeinung war. Hier war eine Bunkermentalität zu spüren, die deshalb so verwundern muss, weil sie völlig unnötig ist. Sie erklärt aber einige Kritik, die ich in den letzten Jahren zu hören bekommen habe.

Für mich stellt sich nach dem Event die extrem spannende Frage nach einer kontrafaktischen Biographie. Ich wurde seinerzeit zum S1 zitiert und mir wurde vorgeschlagen, doch in die Offz-Laufbahn zu wechseln, was ich mit dem Verweis auf den Wunsch nach langen Haaren, langem Schlafen, Alkohol und Frauen ablehnte. Wenn ich mir ansehe, wie sehr die Institution Armee ihre Angehörigen nicht nur körperlich sondern auch geistig in bestimmte Formen hämmert, komme ich nicht umhin, mich zu fragen a) ob ich da wohl glücklich geworden wäre und b) wie anders die Person Ralf Raths heute wäre, wenn sie seit 1997 Uniform trüge.

Faszinierend. Und etwas verunsichernd, weil es einem die Relativität von Individualität und Charakter verdeutlicht.

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Make your museum relevant in six easy steps

Anbei der Vortrag, den ich im Nationalen Militärmuseum in Utrecht gehalten habe. Er dreht sich um die Frage, was militärhistorische Museen tun müssen, um als gesellschaftliche Akteure ernst genommen zu werden.

From glory to doubt and back again? How to secure the role of museums as vital social actors

Introduction 

Military history museums all over Europe are changing right now – in some cases moderately, in other cases radically. External pressure forced them to re-think their approach to military history and the according ways of exhibiting it. For many decades military history museums were vaults of pride and glory. Vast collections of weapons, uniforms, medals and equipment served primarily to illustrate a undisputed narrative of military virtues and their finest hours through the centuries. Military history and its museums were the recreational area of historical science; places mostly untouched by turns and discussions, by deconstructivism and post-modernism. But times are changing, and so are the societies. Military history museums were challenged from three sides.

Military history itself changed. Military history sought and found the connection to academic historiography and evolved in huge leaps: New methods, ideas and tools were adopted from many neighbouring fields like social history, cultural history, gender history, oral history and the history of mentalities. The concept of a critical, multi-faceted military history was incompatible with the old halls of military fame.

The second impact came from other museums. The concept of museum education emerged in the 1970s and evolved rapidly. According to this approach it is the museums‘ responsibility to deliberately design their exhibitions such that visitors are encouraged to question, think about and discuss the objects they are seeing. This development was the exact opposite of the approach of the military museums and challenged them in their core.

The visitors themselves were the third group that demanded fresh ideas from the military history museums. Simple, heroic narratives weren’t able to provide sufficient answers for the questions that came from the many different parts of the evolving post-modern, post-heroic societies of the late 20th and early 21st century

Classical military history museums therefore were regarded as dusty old tradition temples that became more and more anachronistic. So this external pressure forces military history museums to change, which puts them in a situation that is risky in two ways.

By NOT changing and not modernizing they risk to loose visitors and therefore their justification. They also risk to be ignored by decision makers in politics, economics and culture since they will be regarded more and more as second class museumss

But BY changing and modernizing they too risk to loose visitor since the changes potentially won’t be accepted by large parts of the visitors that came in the years before. This can be acceptable if new groups of visitors are activated, but this is by no means an automatism. Change is not autmatically good for a museum; it has to be the right change. This goes also for the aformentioned group of decision makers in politics and culture: Being „modern“ just for the sake of „being modern“ won’t convince and therefore even a completely remodeled museum might loose support and thus its significance.

So the question of the title arises: How to secure the role of museums as vital social actors? To answer this questions, I’ll present some thoughts regarding that question that we developed in the German Tank Museum.

The Tank Museum is undergoing a radical transformation right now. It changes from a nearly exclusively technical exhibition to a modern, multi-faceted museum. I won’t go into details since we don’t have the time now. Although the Tank Museum had far over 80.000 annual visitors for several years, it was no relevant actor – neither political nor cultural nor social. Decision makers of all kind sregarded the Tank Museum as an dusty, old fashioned temple of soldiers‘ nostalgia and technology fetishism, therby expressing exactly the sentiments I described earlier.

 Right now the Tank Museum is increasingly accepted and respected – or, in other words, the Tank Museum actually gains weight as a vital social actor. Therefore to answer the title giving question I’d like to share some insights we THINK we had during the last years – things that worked out for us and could be good advice for transforming military history museums.

Be a cultural actor and don’t play soldier

One of the major flaws in military history for decades was the belief that only soldiers were qualified to produce it. It took us a long time to understand that this is untrue. To produce military history, you need historians. Having been or being a soldier might or might not help, but it is not neccessary. It was a long and sometimes painful fight, at least in Germany, to come to this insight.

But now military history museums, especially smaller ones, repeat this error. They are seduced by their subject, loose their distance and see it as their task to promote a proud military tradition and sometimes even LIVE military culture and behaviour. They are supported in this way by fans and visitors who share this view.

But museums are not places of upholding proud traditions or re-enacting a subject. Musuems need to maintain a professional distance towards their subject. The history of war, of battles, of violence and death, of victory and defeat MAY be singular in the world of historical subjects – MAY be, even that is debatable.

But exhibiting this history in museums is NOT. A military history museum has to maintain the same cool, professional distance to its subject as any museum. Actually it does have to maintain this distance even MORE after a century of industrialized warfare, mass slaughter, the demise of even imagined glory on the battlefield and the rise of a post-heroic society.

So military museums professionals ought to act as what they are – curators, historians, academics. They shan’t play soldier to create a false credibility among their fans. They ought to gain respect and authority by working with high academic standards – nothing less and nothing more.

All this is true even and especially for museum personnel in uniform: They need to create the professional distance even more since they are part of the subject they are describing and therefore potentially more biased. Therefore they need to prove professional academic standards even more.

Be critical, embrace conflicts and stomach discussions

 Military history is a form of feel-good history for many museum visitors. They enter the museums with their heads filled with adventure stories, legendary operations, war heroes and fascinating myths. Seen from a scientific point of view, practically everything of this is plain wrong. In the case of the Tank Museum, visitors enter with ideas of the Wehrmacht being a tank army, the French campaign 1940 being a brillantly planned and executed Blitzkrieg, the Soviet tanks of the Cold War being utterly inferior to western models and so on and so on …

We have to de-construct these myths. To live up to professional standards the museums have to have the courage to tell the truth – no matter how irritating this will be for the visitors. Yes, this approach means that there WILL be discussions, heated arguments, even outright screaming. But a museum has to be able to bear such conflicts. Even more, it has to embrace these conflicts because it has the mission to actively get in the heads of the visitors and change their views on a subject if necessary. Museums are not allowed to stay in the comfort zone, they have to get in the ring.

They also have to be very socially competent during this process. Being arrogant and snobbish is counter-productive. The new viewpoints are irritating enough for the visitors – the museums have to make them digestable.

Not everybody will be convinced of the new ideas. Some will accept some, others won’t; some will accept all, some none. This will result in endless discussions between the museums and their visitors and among the visitors.

This is a good thing and should be accpeted. Museums shall be places of discussions, of arguments, of differing opinions – just as historical science is. It will be painful sometimes to listen to these discussions and the museums shall never stop being part of them to give them quality and spin. But one has to accept that these discussions are neverending and that a museum will never finally convince everybody.

But this is not a bad thing, quite the contrary. Endless discussions are not a necessary evil – they are an end in itself since they transform the museum into a forum, into a place where collective ideas of history are shaped, changed an re-shaped. A museum has to be able to let such things happen.

Have standpoints and be serious

Letting discussions happen does NOT mean to have no standpoints. A museum has to be recognizable to gain credibility. Although academic history accepts a multitude of viewpoints and is aware of relativity, museums have to choose standpoints regarding critical issues and stick with them.

A German Tank Museum as an institution has to have a clear opinion about the Blitzkrieg, for example. I won’t go into detail here to save time. Being vague and unrecognizable about this central topic of armoured warfare would let the museum look dubious and unprofessional. So would changing the house opinion often. A museum has be able to articulate its opinions and stick to it – towards visitors, towards the press, towards politicians. The specific mix of standpoints will over time create a recognizable reputation of the museum; the museum gains character – which in turn makes it possible to become a vital social actor. Only a recognizable institution can become relevant.

If a military history museum has sorted out its standpoints, it is very important to be serious about your subject. We deal with death and grief, violence and pain, suffering and loss – and we have to behave ourselves accordingly. For too long the feel good military history covered these aspects not only with misleading exhibitions, but also with a fitting, jovial behaviour of its representatives. Machismo and carelessness formed a mixture that was perfect to entertain the fans of the feel-good military history. For years this played a big part in the condemnation of military history as a second rate field of history.

This behaviour is therefore inappropriate for critical, reflective museums and their representatives. To distance themselves from this uncritical approach to military history, military museum representatives have to be especially serious about their subject whenever they interact with the public.

This doesn’t mean, on the other hand, to become a cliché. The aforementioned cool and professional distance towards the subject was not only aimed at uncritical glorification – this distance has also to be maintained towards an excess of compassion and empathy.

Stop assuming and analyse visitors

 As much as visitors numbers became a curse and a fetishism, they are important economically. They are therefore an important argument in social and political debates. So holding or inmproving these numbers is in the best interest of military history museums.

So let’s assume you defined your own standpoints and you know exactly what you want to offer regarding your subject. Scientific insights and firm standpoints are all well and good. But as long as you do not reach your actual visitors inside the museum with it, the visitors numbers won’t rise – they may even dwindle. To reach your audience properly you have to know your audience.

And as long as you have not researched your audience properly, there is a good chance that all your assumptions are completely wrong. Working in a museum distorts our perception – small, but loud and bothersome groups appear more important than they are; big, but quiet groups are overseen. We, for example thought, that most of our visitors were elderly and radically predominantly men – a research showed, that only 11% of our visitors are older than 60 years and that 30% percent of our visitors are female. The same goes for their educational backgrounds, for example, and for their fields of interest. Again, I won’t go into detail here to save time.

Now that we actually KNOW our visitors we can plan an exhibition that will reach them perfectly since all subjects and instruments will be tailor-made for our specific audience.

Analyzing visitors is not rocket science and one of the most important steps in the development of museums since knowledge about the visitors is the basis of growth.

Be online

I assume that many of you are tired of hearing about the social media hype. Although I understand that feeling, I have to point out that social networks, especially Facebook, are mighty instruments for museums that want to become known. If a museums facebook account is held active constantly, there can be an enormous growth in prominence – with pracitcally no investments apart from some work hours.

To give you an example: The Tank Museums facebook site reaches over 15,000 people – without pay advertisments, without an online department, just as a side project.

Our annual Open Day has had around 5000 visitors for several years. This year we experimented with Facebook as the main advertising tool for the first time – again without investment and with really tolerable addional work. We reached far over 100,000 facebook users and obviously had success: We had nealry 10,000 visitors this year; a growth of over 90%.

So, social networks can obviously create sheer numbers, which in turn generates awareness of press and politics. But apart from this, being active on Facebook has several additional advantages:

Using Facebook ACTIVELY makes a museum far more interesting for younger visitors, which means improvement of the museum’s reputation and the binding of future visitors.

Facebook can be used to create and regulate the image of the museum. What you put online, how you moderate discussions, how you answer questions – all this is part of FORMING your image, your reputation. It can be used in emergencies to clarify things and to spin-doctor opinions regarding them museum.

Finally it can be used to analyse the museum’s audience. Every facebook post reveals something about the user; the whole activity reveals much about the audience – their wishes, demands, ideas, problems. Facebook is a two-way-medium, the museum has the actual CHANCE to communicate with the audience.

The museum can use this information to improve itself in the future and/or react in real time. A vital social actor in the information society is simply unthinkable without using information technology properly.

Cooperate as much as possible

A good help in overcoming the reputation of a dusty tradition temple is to cooperate with partners of undoubtedly reputation. Military museums were for too long a time fortresses. As part of the cultural and educational system, they need to reach out for partners.

Suitable partners obviously are local schools, universities, research institutes and individual researchers. Joint projects are relatively easy to accomplish and have multiple benefits. Conferences, books, articles, texts for the museums are only the concrete results – but for the museums the networking and the reputation improvement are far more interesting.

Once the ball is rolling, one project can generate the next and the role of a vital social actor is successfully achieved.

But there are even more interesting partners besides science and education. Military museums can cooperate with politcal parties for example – especially projects with left wing parties have the power to astound people and to create interest in parts of the society that totally ignored military history museums before.

The same goes for projects with unions, pacifist organizations and churches. This way the military history museum can get a grip in the political and religious field.

The same goes for cooperations with artists – photographers that use the museum as setting for a shooting or performance artists that actually perform in the museum.

Music can be another key to activate new visitor groups and getting good press at the same time. Military museums can establish themselves as cultural players that way.

Conclusion

 These were only some of many aspects regarding the title giving question. There are many more. But the essential conclusion is: It is not only possible for military history museums to bceome vital social actors – it even is relatively easy. We deal with a subject that was, is and will be massively interesting for vast parts of the society.That is a situation that many other museums dream of.

We only have to play our cards right. We have to be professional and progressive and act as what we are – as museums. The combination of a much requested subject with a carefully constructed museum’s identity and a sophisticated stratetgy to use the available tools will allow it to easily turn military history museums into vital social actors.

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Knöcheltief Blut im Museum

Am 19. September fand in Soesterberg bei Utrecht das Symposium „Vorwaarts MARS“ statt. Konkreter Anlass für die kleine Konferenz war die Veröffentlichung eines gleichnamigen Sammelbandes; der größere Zusammenhang bestand aber darin, dass die Niederlande durch die Zusammenlegung des Kriegsmuseums und des Luftwaffenmuseums eine nationales Militärmuseum schaffen werden. Um dieses neu entstehende Museum in der Museumsszene bekannt zu machen und zu positionieren, wurde das Symposium veranstaltet.

Konferenzen erfüllen viele Aufgaben: Man erfährt neue Forschungsstände, lernt Kollegen und ihre Standpunkte kennen, positioniert sich, seine Institution und die eigene Arbeit, diskutiert strittige Fragen und erfährt Dinge, die anderswo hinter den Kulissen laufen.

Eine Konferenz ist für mich persönlich dann erfolgreich, wenn sie mir wirkliche Anregungen vermittelt und mir Dinge mitgibt, die ich nicht nach kurzer Zeit wieder vergessen habe und die somit ohne Auswirkung auf meine Arbeit bleiben. „Vorwaarts MARS“ hat mir eine ganze Reihe von Erkenntnissen bzw. Anregungen beschert. Die zwei wichtigsten sind die folgenden:

I.

Adrian Budge von den Royal Armouries berichtete über ein faszinierendes Projekt seines Hause, bei dem es darum geht, in Kooperation mit der lokalen Community Gun Crime und Knife Crime zu problematisieren und zu bekämpfen. Abgesehen davon, dass das Projekt an sich ausgesprochen mutig und beeindruckend war, forderte er uns auf, uns selbst die zwei Fragen zu stellen, die sein Haus zu diesem Projekt gebracht haben. Sinngemäß lauteten sie:

„Wenn unser Haus morgen geschlossen werden würde, für wen das einen Verlust darstellen?“

„Was kann unser Haus konkret dazu beitragen, die Gesellschaft aktiv zu verbessern?“

Das sind unangenehme Fragen, die in die Wohlfühlblase des Kulturbetriebes pieksen. Bei genauer Betrachtung muss die Antwort für viele Museen nämlich lauten: Kaum jemand würde euch vermissen, weil ihr nichts konkretes zur Verbesserug der Gesellschaft beitragt. Auch das Panzermuseum muss und wird diese Fragen durchdenken, und allein diese Anregung war Gold wert.

II.

Die Neukonzeption des nationalen Militärmuseums war der zweite anregende Punkt. Das Haus, das dort skizziert wurde (Eröffnung im Spetember 2014) war in meinen Augen ein viel zu sauberes, aufgeräumtes, unhistorisches Museum. Alles ist hübsch, hell, licht, modern und multimedial – aber vielleicht zu sehr. Militär existiert, um im Krieg eingesetzt werden zu können. Der Kern des Krieges wiederum ist Töten und Sterben. Meine Frage nach dem Vortrag war: Wo sind in diesem Museum zerfetzte Körper? Wo ist das Sterben? Wo die schreienden Soldaten? Die Antwort war ausweichend und in der Sache unbefriedigend.

Weil ich momentan ein Buch lese, das sich mit dem Sterben auf dem Schlachtfeld beschäftigt, ließ mich der Gedanke nicht mehr los. „We don’t want to be a horror museum“ war ein Satz, der in der ausweichenden Antwort vorkam, und ähnliche Aussagen kamen in der abendlichen Diskussion immer wieder von Kollegen. Das Problem sei schwierig und komplex, man müsse sich vor Sensationalismus hüten etc.

Je mehr ich darüber nachdenke, was in Publikationen theoretisch zu diesem Thema steht und wie die Häuser in Europa das Thema praktisch behandeln, desto mehr kam ich zum vorläufigen Schluss, dass ein tiefe Angst davor herrscht, das Thema offen und ehrlich anzugehen. Es erscheint mir, als gäbe es einen Vermeidungskonsens, der schon ein Durchdenken des Ansatzes verhindert, in einem Museum drastisch und explizit Tod, Sterben, Verstümmelung und Verwundung zu zeigen. Schon die Worte „drastisch“ und „explizit“ sorgen bei manchen Kollegen für Unwohlsein.

Ich glaube momentan, dass diese Vermeidung grundfalsch ist. Immer wieder haben in Erinnerungen und Erzählungen die Zeitzeugen viel Zeit und Raum aufgewendet, um schockierend detailliert über das Leiden und Sterben ihrer Kameraden zu erzählen. Das bedeutet, dass es schon ihnen offenkundig ein wichtiges Anliegen war. Wie können Museen glauben, Krieg sinnvoll abzubilden, wenn sie dieses Anliegen ignorieren? Dieser Ansatz ignoriert offenkundig die Wünsche der Zeitgenossen.

Aber selbst wenn es diesen Aspekt nicht gäbe: Repräsentationen von Krieg ohne eine ehrliche Darstellung seiner Kernprozesse ist unehrlich und verkürzt bis an den Rande der Sinnlosigkeit – das ist so logisch, dass es schon beinahe axiomatisch ist.

 Natürlich gibt es dabei viel zu bedenken: Den Schutz von Kindern, das Vermeiden von Schocks bei Veteranen, die Würde des Menschen usw. usw.

Aber ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass diese Bedenken lange vorgeschobene Argumente waren, um den Elefanten im Raum im Zaum zu halten: Dass es hier eine enorme und im Wortsinne wesentliche Fehlstelle bei allen Museen gibt.

Die Frage, ob, wie und wie sehr Blut ins Museum gehört, dürfte in den nächsten Wochen mein Thema werden, denn sie ist auch essentiell für unsere Neukonzeption.

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Pommesgabel und E-Gitarre als Lehrmittel

Rationales und emotionales Verstehen sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge und das ist ein Problem für die Geschichtsvermittlung. Emotionale Zugänge sind oftmals sehr stark, dafür aber einseitig ausgerichtet, so dass es schwer fällt, ihnen mit rationalen Argumenten beizukommen. Rationale Zugänge sind reflektierter, dafür mangelt es hingegen oft an Überzeugungskraft und mitreißendem Charme, so dass sie kaum Kraft entfalten.

Akademisch ausgebildete Historiker sind oft monothematisch auf den rationalen Zugang ausgerichtet. Die innere Distanz zum Thema soll Gefühlsaufwallungen und vernebelte Blicke vermeiden. Sine ira et studio werden Quellen nüchtern und ergebnisoffen aus derartig vielen Perspektiven betrachtet, dass einem nicht selten am Ende die Orientierung fehlt, die ein abschließendes Urteil in irgendeiner Form zulässt. Indes: Der postmoderne Dekonstruktivismus wird hier zu seinem eigenen Dekonstrukteur; Feuer und Begeisterung für ein Thema werden auf diese Art und Weise nur selten geweckt. Viel schlimmer noch: Man muss sich ernstlich fragen, ob das bewusste Verdorrenlassen des Gefühlszuganges Historikern nicht oftmals eine entscheidende Verständnisfacette RAUBT und tieferes Verständnis eines Zusammenhanges unter Umständen unmöglich macht.

Um so erfrischender ist es, wenn man auf ein Medium trifft, das einem einen solchen emotional gefärbten Zugang zu einem Thema nolens volens bietet. Ich habe in den letzten Tagen ausgiebig die Platte „Carolus Rex“ der Band Sabaton gehört. Thema des Konzeptalbums ist die schwedische Expansion in der Frühen Neuzeit und ihr Ende.

Sabaton sind in der Lage, eingängige Musik mit klugen Texten zu verbinden. Wer dem Genre zugetan ist, wird also von der Musik emotional angesprochen; die Texte wiederum bieten die Inhalte, für die man sich interessieren kann. Diese Mischung führt zu faszinierenden Ergebnissen: Die Figur Karl XII. von Schweden ist im Prinzip jetzt erstmal keine furchtbar faszinierende Figur, wenn man mit lexikalischen Einträgen über ihn startet. Hört man jedoch den Song „Carolus Rex“, kann man zu dem Schluss kommen, dass der Mann eine königliche Macke gehabt haben muss und absolut faszinierend gewesen sein könnte. Ob das durch eine 500-Seiten-Biographie trägt,weiß ich nicht – suchen und anfangen werde ich aber eine und das nur wegen des Songs.

Auch der Song „Long live the King“, der sich mit dem Tod des Königs und dessen Auswirkungen auf seine Soldaten befasst, packt einen irgendwo im Stammhirn, wenn man die Musik mag und zulässt: Dass der Verlust des Monarchen schwere Folgen für die Moral hatte, ist rational klar. Wenn man den Song hört, wird einem aber bewusst, was das für tolkienesque Ausmaße gehabt haben kann – und plötzlich hat man eine nachvollziehbare emotionale Metapher für das Problem.

Und so geht es fröhlich weiter – für mich als Militärhistoriker stecken gerade in den Songs über Schlachten noch weitere spannende Facetten.

Mich jedenfalls hat diese Erfahrung dazu gebracht, mal an dem Problem des Gegensatzes von Emotion und Rationalität in der Geschichtsvermittlung herumzudenken. Was das für das Panzermuseum bedeutet, werden wir sehen.

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Buchbesprechung: „Paths of Glory. The French Army 1914-1918“ (2005) von Anthony Clayton

Die operativen Kapitel sind gähnend langweilige Aneinanderreihungen von Feldzugsbewegungen, die sich noch dazu durch verstaubte Personalisierungen auszeichnen – wenn bspw. von Kluck einen französischen General „in Schach hält“ – als wenn die 30.000 Soldaten, die beide dazu brauchten, keine Rolle gespielt hätten. Die Kapitel sind eine fade Aneinanderreihung von operativen Bewegungen, die dem Leser überaupt nichts spezifisches über das Wesen der französischen Armee verraten. Das halbe Buch hätte man sich hier sparen können, denn Operationsgeschichte ist breit nachlesbar. Dadurch wäre Platz freigeworden, um die Kapitel über die Eigenarten der Armee weiter auszuarbeiten. Und das wäre auch dringend nötig gewesen, denn diese zeichnen sich durch eine Oberflächlichkeit und Grobheit aus, die das Lesen mühsam und ermüdend macht. Während Holmes die Eigenarten und Alltäglichkeiten der Briten zu einem faszinierenden Panoptikum verknüpft, finden sich bei Clayton nur Allgemeinplätze: Post und Essen kamen oft spät oder gar nicht und das war schlecht für die Moral. Ach tatsächlich? Und was ist dran spezifisch französisch? Das ganze wird dann aufgefüttert mit Beschreibungen von Waffen und Ausrüstung und noch mehr Waffen.

Die operativen Kapitel sind gähnend langweilige Aneinanderreihungen von Feldzugsbewegungen, die sich noch dazu durch verstaubte Personalisierungen auszeichnen, wenn bspw. von Kluck einen französischen General „in Schach hält“ – als wenn die 30.000 Soldaten, die beide dazu brauchten, keine Rolle gespielt hätten. Die Kapitel sind eine fade Aneinanderreihung von operativen Bewegungen, die dem Leser überaupt nichts spezifisches über das Wesen der französischen Armee verraten. Das halbe Buch hätte man sich hier sparen können, denn Operationsgeschichte ist breit nachlesbar. Dadurch wäre Platz freigeworden, um die Kapitel über die Eigenarten der Armee weiter auszuarbeiten. Und das wäre auch dringend nötig gewesen, denn diese zeichnen sich durch eine Oberflächlichkeit und Grobheit aus, die das Lesen mühsam und ermüdend macht. Während Holmes die Eigenarten und Alltäglichkeiten der Briten zu einem faszinierenden Panoptikum verknüpft, finden sich bei Clayton nur Allgemeinplätze: Post und Essen kamen oft spät oder gar nicht und das war schlecht für die Moral. Ach tatsächlich? Und was ist dran spezifisch französisch? Das ganze wird dann aufgefüttert mit Beschreibungen von Waffen und Ausrüstung und noch mehr Waffen.

Das Grundproblem ist, dass Clayton so die Spezifika der französischen Armee völlig entgehen, während er falsche Allgemeinplätze erneut propagiert. So wird die offensive a l’outrance seitenweise als Spezifikum der Armee referiert und gleich enthusiastisch als altmodisch verurteilt. Das die Deutschen auf taktischer und operativer Ebene jenseits als zeitgenössischer Propaganda vom „Nationalcharakter“ den gleichen Prinzipien folgten, übersieht er dabei völlig. Derlei Fehlperspektiven sind Legion. Gleichzeitig ignoriert Clayton viele Aspekte vollkommen. Besonders affällig sind die Fehlstellen bei den Kolonialtruppen. Diese werden immer wieder im operativen Zusammenhang erwähnt und sind Clayton, der unhinterfragt jedes Klischee wiedergibt, ein oder zwei Nebensätze zu Kriegsverbrechen und „primitivem Verhalten“ wert, die den Leser offenbar schön gruseln sollen. Die unglaubliche Reichhaltigkeit und Komplexität einer differenzierten Betrachtung des Einsatzes von Hunderttausenden Afrikanern in Frankreich entgeht ihm völlig. Dann auch noch Detailfehler zu begehen und bspw. den Namen „Dicke Bertha“ einem Eisenbahngeschütz zuzuordnen, macht den Kohl dann auch nicht mehr fett.

Die Buchvorderseite ziert ein Zitat aus Gary Sheffields RUSI-Rezension. „This is an important book.“ Dem kann man nur zustimmen. Es zeigt, dass ein englischsprachiges Überblickswerk zur französischen Armee immer noch schmerzlich fehlt.

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Derpgun rauf und dann all aboard the lemmingtrain!

An Pfingsten wird die Panzergeschichte im Museum alternativ erlebt: Es wird gejohlt, gegackert und gegröhlt werden, hunderte Panzer werden vernichtet werden und das wird für große Heiterkeit und allgemeine Zufriedenheit sorgen.

Ausgerechnet im neuerdings ach so kritischen Panzermuseum so eine Verharmlosung von Krieg und Gewalt? Oder um es mal passenderweise im Internetjargon zu sagen: Lolwut?

Am Pfingstwochenende wird die Firma Wargaming bei uns im Hause eine Promotion-Station aufbauen. An dieser Station werden sie ihr Spiel (und Zugpferd der ganzen Firma) „World of Tanks“ bewerben, indem es an ca. einem Dutzend Rechnern gespielt werden kann. Es wird Wettbwerbe, Preise, Selbstdarstellung, Spielergejohle und alles andere geben, was dazugehört. Was „World of Tanks“ (im folgenden WoT) ist, könnte ich jetzt wortreich darstellen – oder zeit- und mediengerecht einfach kurz ein Video verlinken, dass die Prinzipien erklärt:

Im Prinzip vermittelt WoT nur Inhalte, die den Aussagen des Panzermuseums direkt zuwiderlaufen.

  1. Das klinische Schlachtfeld: Es sind keine Menschen zu sehen, weder Soldaten noch Zivilisten. Leid und Schmerz, Tod und Verstümmeling – alles kein Thema. Krieg ist ein reines „Tick, du bist!“ und wenn der eigene Panzer vernichtet ist, kommt ein markiger Spruch im Sinne von „This machines has had it, let’s get out.“ Lediglich gelegentliche Meldungen wie „They killed our driver“ zeigen an, dass da doch irgendwie Krieg passiert.
  2. Panzer ohne andere Waffensysteme: Der Panzer ist historisch untrennbar mit allen möglichen anderen Waffen und Kämpfern verbunden: Infanterie, Flieger, Logistik und so weiter. Findet alles nicht statt. Es rollen ausschließlich Panzer und Jagdpanzer über das Menschenleere Schlachtfeld. Einzig die Artillerie spielt eine Rolle, aber letztlich auch nur als indirekt feuernde Panzer, die ein paar Meter weiter hinten stehen.
  3. Der einzelne Panzer entscheidet: Historisch gesehen sind Panzer eigentlich nur im Plural relevant. Es waren Panzereinheiten und -verbände, die operativ entscheidend gewirkt haben. Bestes Beispiel dafür ist immer noch der krasse Leistungsunterschied zwischen den alliierten Panzern und den Panzerdivisionen in Frankreich 1940. Auch wenn Züge und Kompanien (die Multiplayergruppen-Bezeichnungen in WoT) in der Tat bessere Chancen haben, ein Gefecht zu gewinnen, so ist der überragende Teil der täglichen millionenfachen Partien doch geprägt durch lauter Einzelspieler – und deren Fähigkeiten entscheiden dann die Schlacht.
  4. Scheinbare Berechenbarkeit: WoT basiert auf einem Rechenmodell. Einem großen, komplexen Rechenmodell, das zwei Dinge leisten muss: Ein Gschmäckle von Authentizität erzeugen einerseits und ein ausbalanciertes, faires Spiel andererseits. Allerdings nehmen viele Spieler nur den ersten Teil wahr. Sie glauben tatsächlich, dass die von Wargaming willkürlich festgesetzten Werte „die Realität“ spiegeln könnten – was im Prinzip schon völliger Unsinn ist, aber im Zuge des Balancing-Problems völlig hanebüchen wird. Im letzten Patch werden französische Artilleriegeschütze plötzlich um ein Vielfaches präziser – wie ist das möglich, wenn die Werte doch „historisch“ sind? Egal, den Fans macht das nichts: Die Denkstruktur, dass man einen historischen Panzer durch reine Daten erfassen könnte, wird dadurch wieder einmal verstärkt.
  5. Schwerer & größer = besser. Das war lange die Formel, nach der der Levelanstieg bei WoT funktionierte. Das Spiel suggerierte, dass große und schwere Panzer das logische „Ende“ einer „Evolution“ seien; kleine, leichte Panzer hingegen nur der Startpunkt für diese Evolution. Diese Denkweise ist natürlich nur durchzuhalten durch Punkt 3 dieser Aufzählung. Im historischen Gesamtkontext von Produktion, Logistik, Wartung, Doktrinen und so fort würde niemand, der zu differenziertem Denken in der Lage ist, ernsthaft behaupten, der Königstiger sei der bessere Panzer im Vergleich zu bspw. dem T-34. Zu so einem Schluss kann man nur kommen, wenn man panzerquartettartig denkt und Duellsituationen im klinischen Raum herbeifabuliert – was WoT ja genau tut. Diese Denkweise wurde durch die Einbindung mittlerer Nachkriegspanzer als High Tiers etwas aufgeweicht, gilt aber dennoch immer noch weitreichend.
  6. Technofetischismus ohne reale Bezüge: WoT suggeriert durch seine Techtrees, dass alles mögliche in alles mögliche verbaut werden konnte. Gewisse Begrenzungen gibt es, aber die Einbindung noch der albernsten Prototypen von Kanonen und Türmen, von nur auf dem Papier existenten Panzern und nie gebauten Fahrwerken direkt neben Massenprodukten wie den realen T-34 und Panzer IV macht Glauben, dass damals einfach nur falsch kombiniert wurde. Krieg wird hier zum McMenü, wer falsch bestückt, ist selber schuld. Panzer IV waren ohne Derp vor Moskau? Olol, Bobs. Hätten sie mal den Techtree besser gelesen…
  7. Historische Kontextlosigkeit: Muss man das Fehlen JEDWEDEN historischen Hintergrundes erwähnen? Nein? Dachte ich mir, danke. Ich wollte die Intelligenz meiner Leser nicht beleidigen.

Alles in allem: WoT bringt Millionen Menschen genau das Gegenteil von dem bei, was wir vermitteln wollen. Warum also holen wir nun ausgerechnet diesen virtuellen Feind in unser Bett?

Die Logik ist ganz einfach: Wir können es ohnehin nicht verhindern, dass WoT sein krudes Geschichtsbild verbreitet. Es passiert 24/7 global. Was können wir also tun? Früher hätten Museen als Bildungstempel die Nase gerümpft und sich auf das „richtige“ Publikum konzentriert.

Blödsinn.

Wir umarmen den Feind. Militärgeschichte goes Gandhi oder Aikido, wie man will.

Diese Spieler, die sich für Panzer interessieren, werden durch Wargaming in das Panzermuseum geholt. Hier treffen sie auf die historischen Originale und hier treffen sie auf (noch sehr wenig, aber bald VIEL mehr) Geschichtsvermittlung, die ihre Babys in interessante, aber eben auch kritische und irritierende Kontexte setzt. Die zum Nachdenken herausfordert. Die zum Hinterfragen der WoT-Konstruktionen einlädt und es VIELLEICHT schafft, die Spieler mal ein Buch lesen zu lassen, das über Kalibergrößen und Turmdrehkranzdurchmesser hinausgeht, weil die Führung, der Audioguide oder ein Text dann doch mal nachdenklich gemacht haben. Wenn auch nur einer von hundert das tut, haben wir schon etwas gewonnen.

Das ist alles. Wir betreiben hier Schadensbegrenzung am Geschichtsbild, so gut wir können, indem wir uns als nette Gastgeber verkleiden und dann den nichtsahnenden Besuchern Bildung um die Ohren hauen.

Museum 2013 – Bildung aus dem Hinterhalt.

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